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3,2 (1869) Die eidgenössischen Abschiede aus dem Zeitraume von 1500 bis 1520
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90k August 1515.

Auszug aus den Schreiben des Herrn Jacob Gambara, päpstlichen Orators bei den Eidgenossen imFeld, gegeben zu Jporeginm (Jvrea) den 21. August 1515 an Ennius, Bischof von Verulan, päpstlichen

Orator zu Zürich:

1. Er habe in zwei Briefen genanntem Ennius gemeldet, wie der Herzog von Savoyen mit etlichen Haupt-leuten der Eidgenossen Practiken geübt habe, um einen Frieden zwischen der Eidgenossenschaft und Frankreich zumachen, und beinahe zum Ziel gekommen wäre, was nun aber hoffentlich vereitelt sei.

2. Am 19. August haben die Eidgenossen Chivasso erobert, 600 Mann, die Widerstand leisteten, erstochenund ihr Gut in gemeiner Beute vertheilt.

3. Am 20. seien die Eidgenossen unangefochten nach Jporeginm, der König von Frankreich nach Turingezogen, Letzterer wolle am 21. nach Settimo. Er habe jetzt in Italien 2000 Kürisser und 8000 zu Fuß,erwarte aber noch 20,000; sein Geschütz sei in Italien, aber Volk und Geschütz seien noch nicht bei einander.Er habe gehofft,einen Faden zu haben" mit den Eidgenossen, deren etliche wider den heiligen Bund übelpracticirten, was aber mit Hülse Gottes zergehen werde, denn die Mehrzahl der Eidgenossen fange an, des KönigsArglist zu durchschauen.

4. Am 22. wollten die Eidgenossen nach St. Jacob und von da nach Vercelli ziehen, in der Meinung,zu schlagen und zu siegen.

5. Der Cardinal von Sitten habe die Ernennung zum Legaten erhalten, auch der Cardinal von Mediciskomme als Legat mit dem Herrn Laurenz, des Papstes Bruder, der an die Stelle des erkrankten Julian trete,mit den päpstlichen Truppen und dem Vicekönig über die neue Pobrücke zu den Eidgenossen.

6. Der Vicekönig sei von Verona ausgezogen und durch päpstliche Reisige unter Marc Anton Colonna inder Beschirmung dieser Stadt abgelöst worden.

7. Der Papst habe dem genannten Gambara 40,000 Ducaten geschickt und wolle die Summe zu unfernHänden bis auf 120,000 erfüllen, damit wir obsiegen.

8. Gambara wundere sich, daß von den Hauptleuten der Eidgenossen Niemand dieses Alles berichte, da siedoch das Anerbieten der Besoldung kennen.

9. Der Papst habe den Bischof von Tricarica, seinen Orator beim König von Frankreich, abberufen, denKönig in Bann gethan, sobald er das Gebirg überschritten habe und die Hoffnung verschwunden sei, ihn vondiesem Zuge abzuhalten.

10. Die neu abgesendeten Fußknechte erwarte man mit Zuversicht des Sieges.

1515, 25. August. Summarium päpstlicher Schreiben an den Bischof von Verulan.

Die Zögerung der Eidgenossen, dem gemeinen Bunde beizutreten, habe die rechtzeitige Ausrüstung derpäpstlichen und spanischen Hülfe verspätet. Schwere Reiter lassen sich nicht so schnell ausrüsten wie Fußknechte.Die Eidgenossen haben auch immer geschrieben, sie halten die Pässe besetzt, so daß die Franzosen nicht herüberkönnen. Im Gebirg aber können Pferde keine Dienste leisten. Nun habe der Papst den Einbruch der Franzosennicht von ihnen, nicht vom Cardinal noch seinem Orator, sondern auf anderm Weg erfahren; seine, der Floren-tiner und des Vicekönigs Macht, 3000 schwere, 2000 leichte Pferde, 13,000 Mann italienisches und spanischesFußvolk werden sich zu Pavia unter sich und auch mit den Eidgenossen vereinigen. Die Eidgenossen sollen ihreMacht in Italien auf 40,000 Mann bringen, dann werde es diesen vereinten Kräften leicht werden, zu siegen undselbst Frankreich zu bedrohen. Der Papst habe die Eidgenossen im Feld durch eigene Boten ermuntert und ihnenobige Nachricht der herannahenden Hülfe gegeben, man werde alle Kraft aufbieten gegen den Feind. Wenn dieEidgenossen ihre Zusagen halten, so stehe alles gut. Der Bischof von Verulan solle zusagen, daß die Bestäti-gungsbulle über den Bund und die Pension ihnen sobald zukommen sollen, als man sicher von Piacenza zumHeer wandeln möge. Staatsarchiv Zürich.