April 1503.
213
Jeder Bote kennt das Schreiben, das den Unfern im Feld geschrieben ist, „als des hieby suchein Copy vergriffen stat." Darauf ist ein anderer Tag angesetzt auf nächsten Dienstag (It. April) hierZu Lucern. Die Boten sollen Vollmacht erhalten, unsere Eidgenossen, wenn sie in'der Zwischenzeit dasFeld nicht räumten, zu mahnen, solches zu thun. Jedes Ort soll seinen Mahnbrief unter seinem Siegelauf den angesetzten Tag nach Lucern senden, um erforderlichen Falls davon Gebrauch machen zu können,-,so doch der küng vnsern Eidgenossen Bellenz mit sampt sin zugehör, darumb bißhar allein diser Spangewesen ist, ganz fry, lidig nachgelassen hat, tut sin missif, die er vns hierumb zugeschickt hat, damit wirZU diser Herten zyt kriegs wegen mögen einig sin vnd zu Nuwen vnd frid kommen mögen."
Missiv König Ludwigs an die Eidgenossen.
Lyon 30. März 1503. Ludwig, von Gottes Gnaden König von Frankreich und Neapel, Herzog zu Mai-land, schreibt an die Orte Zürich, Bern, Lucern, Zug, Basel, Freiburg und Solothurn: Ihren, durch einenreitenden Boten ihm übersendeten Brief, wie andere, die sie ihm durch einen seiner Boten überschickt, alle Bellenzbetreffend, habe er erhalten und nur deßhalb nicht beantwortet, weil er zuvor Bericht über die Ankunft seinesSecretärs Richard Münch in der Eidgenossenschaft habe erwarten und sich selbst nach Lyon verfügen wollen.Nun vernehme er aus diesen Briefen, daß sie wohl gemeint hätten, die drei Länder würden der Verabredungmit seiner Botschaft nachleben, wonach drei Jahre lang kein Theil den andern wegen Bellenz bekriegen soll, dieLänder haben aber diesem Abschied nicht statt thun wollen, sondern eine große Zahl Kriegsvolk in das Herzog-thum Mailand geschickt und auch die andern Orte nach den Bünden zum Zuzug gemahnt, was diese, wie siesagen, nicht abschlagen konnten. Hierüber verwundere sich der König, da er doch den Eidgenossen in Allem zuWillen geworden, namentlich in dem zu Asti mit der Eidgenossen Boten gemachtem Abschied, wo im letztenArtikel stipulirt war, der König soll eine Botschaft in die Eidgenossenschaft senden, um seine Titel und Recht-same in dieser Sache vorzuweisen, nach deren Richtigfinden die Eidgenossen mit den drei Ländern reden sollen,baß sie Recht nehmen oder Bellenz dem König überlassen. Allem dem habe er seinerseits genug gethan undzuletzt durch den Erzbischof von Sens sich erklärt, vor den Eidgenossen um diese Sache Recht zu nehmen undihrem Urtheil nachzugehen. Hiezu erbiete er sich jetzt noch und wenn der Herr von Sens dieses nicht eröffnethabe, so sei er dem königlichen Befehl nicht nachgekommen. Die Eidgenossen haben ihn nie so dringend gebeten,Bellenz abzutreten, wie jetzt, sonst hätte er ihnen lieber willfahrt, als sich mit ihnen entzweit. Nun bekriegen sieihn ohne Weiteres, was ihn wundere, indem er nichts mehr begehre, als mit ihnen in Freundschaft und EinungZu bleiben. Da sie, sofern Vellenz abgetreten werde, sich erbieten, alles Mögliche für Herstellung guter Verhält-nisse zu thun, so wolle er suchen, mit ihnen darüber eins zu werden und habe seinen Gesandten Richard Münchbeauftragt, sich mit ihnen wegen Bellenz zu vertragen, doch unter der Bedingung, daß sie ihre Leute sofort ausbem Herzogthum Mailand zurückrufen und aufhören, die Seinigen zu schädigen. Denn seine Ehre erlaube ihmnicht, Bellenz den Eidgenossen zu übergeben, so lange ihr Kriegsvolk im Mailändischen stehe. Sie mögen ihrenLeuten im Feld erklären, der König wolle Bellenz abtreten, um das gute Einverständnis) mit den EidgenossenZu erhalten, und sein Bote soll die Eidgenossenschaft nicht verlassen, bevor dies; in aller Form Rechtens geschehensei, doch so, daß die Ehre des Königs bewahrt bleibe und man nicht sagen könne, er sei dazu mit Gewaltgezwungen worden. Auf diese Weise werde der aus dieser kleinen Sache entsprungene Unwille am richtigstenabgestellt werden. Sie sollen also auch thun, was ihren Ehren gezieme.
Staatsarchiv Lucern.
Schreiben an die Hauptleute im Feld.
„Vnser früntlich u. s. w. Üwre brüderliche lieb hat in gutem müssen, wie wir hieuor ab gehaltnem tag inber statt Zürich dem küng von Frankrich geschriben haben, souer vnd sin k. M. vnsern lieben eidgnossen von