630 J"li 1546.
Klarer ergiebt sich die Verhandlung aus folgender Missivo:
1546, 3. Juli. Bern an seine Boten zu Baden. Heute habe der (genannte) Bote von Basel vor-getragen, wie durch eine Botschaft der geheimen Räthe zu Straßburg mit Rücksicht auf die gegenwärtigenKriegsverhältnisse eine Werbung an die von Basel gelangt sei. Derselben gemäß verlangen die evangelischenFürsten und Städte von den Evangelischen in der Eidgenossenschaft etwas Trosts, Raths und Hülfe. Sie ver-langen insbesondere zu wissen, ob die evangelischen Städte in der Eidgenossenschaft ihnen ihre Knechte zuziehenlassen wollen. Die von Basel hätten auf diesen Vortrag geantwortet, die Fürsten und Städte des schwal-kaldischen Bundes sollten ihre Botschaft auf den jetzigen Tag zu Baden senden, daselbst ihren Vortrag Mthun, zumal ihnen auf dem letzten Tag zu Baden einiger Anlaß geboten worden sei, wie der benannte Botevon Basel, wenn er nach Baden komme, Alles weiter erklären werde. Die von Bern haben dann dem Ge-sandten von Basel geantwortet, den Bescheid, den die von Basel dem Boten von Straßburg gegeben haben,lasse man sich gefallen. Bern sei bereit, der deutschen Nation und insbesondere den Evangelischen soweitmöglich alle Freundschaft und Förderung zu erweisen. Man werde den Feinden derselben keinen Durchpaßüber das Gebiet derer von Bern gestatten, wie man sich schon zu Tagen dessen erboten habe. Den Botenvon Bern auf dem Tag zu Baden habe man aufgetragen, sich an der Hand der diesfalls ttberschicktcn Schriftenmit den Gesandten von Zürich, Basel und Schaffhausen zu berathen, was des Kaisers Vorhaben sei, wie dieVII Orte auch „darin" gebracht und den Evangelischen geholfen werden möchte. Wenn die Botschaften desKaisers und der Schmalkalder ihren Vortrag gethan haben, sollen sie hören, wie die Gesandten der VII Ortesich vernehmen lassen; wenn sie merken, daß die Sache auf den „letzen" Weg oder auf die lange Bankgespielt werden wolle (es sei nämlich zu besorgen, daß der Bischof von Constanz, der unlängst in den Ländernwar, diesfalls practicirt habe), sollen die Boten von Bern glimpflich und freundlich, doch ohne den Glaubenzu berühren, den übrigen Gesandten darlegen, man möge die gefährlichen Zeitläufe Wohl bedenken, des Kaisersglatten Worten nicht trauen, sondern betrachten, wie Kaiser, Könige und Fürsten gegen freie Herren, Städte, Ständeund Gemeinden jeweilen gesinnt gewesen und noch seien, wie die Eidgenossenschast entstanden und die frommenAltvordern sich gegen die muthwillige Gewalt der Fürsten von Oesterreich, namentlich zu Sempach, behauptethaben, was später gegenüber dem Hause Oesterreich im Aargau, dann gegen den Herzog von Burgund, desKaisers Großvater („Äni") und ferner im Schwabenkriege begegnet sei, und wie in neuerer Zeit bei denKriegen des Kaisers in Italien u. s. w. die Eidgenossen allweg, namentlich auch bei Ceresole, gegen den Kaisirgestanden seien. Dieser, auch ein Glied des Hauses Oesterreich, werde den früher erlittenen Schaden zu räche»suchen. Dabei wisse man, wie einige Orte und Prälaten in der Eidgenossenschaft mit der türkischen Anlageund Ladungen vor das Kammergericht bedrängt worden seien. Da nun die freien Fürsten und Reichsstädtein Deutschland von den Eidgenossen ein Exempel genommen, wie sie zur Freiheit gelangen und dieselbe behaltenmögen, so sei leicht zu entnehmen, wie dem Kaiser daran gelegen sei, diese in Dienstbarkeit zu bringen, wo-dann es nicht bloß um das gemeine Vaterland und die Freiheiten der deutschen Nation, sondern auch umdie Eidgenossenschaft, „so darin vergriffen ist", geschehen wäre. Wenn dann die übrigen Boten auf diesetrcueidgeuössischc Warnung nicht gehen wollen, so sollen die Boten von Bern mit denen von Zürich, Baselund Schaffhauseu sich berathen, wie der Sache zu begegnen sei und eilends berichten.
St. A. Bern- Deutsch Mlsssoenbuch 2, S. los.