Mai 1545. 4g1
Provence eine große und unerhört grausame Verfolgung armer Leute stattgefunden habe. Als Freunde derrone Frankreich bedaure man dieses sehr. Mau wisse zwar nicht genau, ob dieses wegen Annahme der^ngelischeu Lehre oder weil diese Leute anderer Ursachen wegen aus Unbesonnenheit in die Ungnade desKönigs gefallen, geschehen sei. Nichtsdestoweniger gelange an den König, im Vertrauen auf seine Geneigtheitöu den Eidgenossen, die unterthänige („underdienstliche") Bitte, er wolle um Gottes und dieser Bitte dergenossen Willen jene Leute verhören, ihre Religion untersuchen und ihre Verantwortung anhören undwM» möglich stinen Zorn mäßigen und gnädige Antwort ertheilen. Diese Meinung soll jeder Bote an seine^rn bringen und falls sie diesen gefällt, solches bis Sonntag Trinitatis (31. Mai) an Zürich berichten,Elches dann im Namen Aller ein Schreiben ausfertigt und durch einen besondern laufenden Boten dem""ig überbringen läßt. Die diesfälligen Kosten werden gemeinsam getragen. Inzwischen soll jedes Ort^ber die Angelegenheit fleißige Nachfrage halten. Nachdem aus Frankreich die Antwort eingekommen sein wird," ^ Städte sich des Weitern berathen, ivie diesen und andern frommen Leuten in Frankreich und PiemontHülst gleistet werden könne. Auf der Jahrrechnung zu Baden will man sich dann verständigen, ob man^hin reitende Boten hineinsenden und auch die übrigen Eidgenossen von dieser Angelegenheit unterrichten wolle.
Der Name des Zürcher Gesandten aus dortiger Instruction, St. A. Zürich: Jnstructionsbuch 1544—54,ü 60. Derjenige des Basler aus St. A. Zürich: A. Frankreich, Missive von Basel an Zürich vom 25. Mai1545. Der des Schaffhauser ebendaselbst, Missive von Schaffhausen an Zürich vom 27. Mai (MittwochVach Pfingstl») 1545. Der des St. Galler aus Stadtarchiv St. Gallen: Rathsbuch 1541—53, S. 101,vom 15. Mai.
Der Tag wurde, wie es scheint, veranlaßt durch vorausgegangene Vorträge Calvins bei den einzelnenevangelischen Städten; man beachte folgende Missive:
1545, 8. Mai. Bern an Zürich. Meister Johann Calvin, Vorständer der Kirche zu Genf, sei vor demAathe („uns") zu Bern erschienen und habe kläglich die grausame und schreckliche Verfolgung und Durch-mhtung der Gläubigen in der Provence angezeigt und dringend gebeten, durch Boten oder Fürschriften anden König von Frankreich nach Möglichkeit auf Abschaffung solcher Tyrannei hinzuwirken, wie die von Zürichdurch Calvin dessen selbst werden berichtet werden. Da die von Bern über diese erbärmlichen Vorfüllegroßes Herzeleid tragen und sich den christlichen Brüdern zur Mithülfe verpflichtet betrachten, so seien siegouz geneigt, mit denen von Zürich und andern religionsverwandten Eidgenossen, denen man im gleichenSinne zuschreibe, Botschaften oder Briefe an den König abgehen zu lassen, auf gemeinsame Kosten, vonwelchen Bern seinen Antheil tragen wolle. Da Calvin vorgetragen, er wolle sich auch nach Straßburg undEonsta»z begeben, um daselbst das gleiche Begehren anzubringen, so habe man diesen die Meinung derer von
ebenfalls zugeschrieben und sähe gern, wenn die von Zürich ihren Entschluß ihnen ebenfalls mittheilen
würden. St. A. Zürich: A. Frankreich.
Die Missive von Bern geht auch an Basel, Schaffhauscn und St. Gallen. St. A. Bern: DeutschMissivcnbuch ?, S. 762. Man vergleiche übrigens den Abschied vom 5.—10. Mai 1546.
Die Antwort des Königs ist im Auszug folgende:
1545, 27. Juni. Torigne („Toricgucs"). Der König von Frankreich an Zürich, Bern, Basel, Schaff-Hausen und St. Gallen. Antwort auf den Brief, worin sie darlegen, Wie leid und beschwerlich ihnen sei,daß die Waldenser als fromme, unschuldige und christgläubige Leute so hart bestraft worden seien. Der^v»>g habe den evangelischen Städten der Eidgenossen („üch") schon mehrmals anzeigen lasse», daß er sichwst ihren Unterthanen und dem Thun und Lassen der Obern derselben nicht behellige; so komme auch ihm"lstin ^ s^„e„ Unterthanen vorzustehen und sie zu regieren, wie das einem frommen Fürsten gebühre.
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