Juli 1542. Ig 7
Das Erscheinen der Botschaft von Zürich auf diesem Tage erklärt folgende Missive Zürichs an Baselvom 1(1. Juli (Dienstag vor Heinrici): Man sei verlässigt, daß ungeachtet des in Folge der Protestatio»des Kaisers ans dem letzten Tag zn Baden gehaltenen Vortrags die „nenn" Orte künftigen Montag (18. Juli)in Lnccrn zusammen kommen wollen. Um die Eidgenossenschaft vor Unrath, Schaden und Schande zu bewahren,habe man ihnen die beigelegte Warnung übermittelt. Dabei wolle man überhin auf benannten Tag eineVotschaft abordnen, um sie unter Hinwcisnng auf die Verhältnisse von ihrem Vorhaben abzumahnen. Dessenberichte man die von Basel, damit sie allfällig schriftlich oder durch eine Botschaft mitwirken könne». Dasselbesei an Bern und Schaffhausen mitgetheilt worden. a.A.Bapi: AbM-de u><o—4i.
Bern und Basel lehnen mit Schreiben, jenes vom 15., dieses vom 17. Juli, ab. st.A. Zürich: A. Bcm A. Basel,
Zu Der Vortrag des französischen Botschafters bewegt sich in folgenden Gedanken: 1. Entgegendes Kaisers Behauptung, daß er nie beabsichtigt habe, den König oder sonst einen christlichen Potentaten zubekriegen, sondern alle Macht gegen die Türken zu richten, erinnere er an die Landung der Spanier zuGenua, die vorgaben, als wären sie nach Algier bestimmt, aber den Weg nach Asti einschlugen, der nichtnach Algier, Wohl aber ins Picmont führe. Das habe den König veranlaßt, sich auch seinerseits zu rüsten.2. In Betreff des Kriegs in Algier, von dem der Kaiser sage, daß er ihn ans das Hülfsgcsuch des Königsvon Tunis, der von Barbarossa bedroht war, unternommen habe, möge man bedenken, welchen Nutzen dieChristenheit und welche Ehre der Kaiser' daraus ziehe, daß man einen Ungläubigen gegen den andern Un-gläubigen unterstütze; vielmehr sei das die Ursache geworden, daß die Türken sich jetzt gegen die Christenheitwenden. 3. Der Kaiser behaupte, den zweiten Zug nach Algier habe er unternommen, um die vou dertürkischen Armada her für Neapel und Sicilien drohende Gefahr abzuwenden. Es sei aber ein Anschlaggegen die Provence und Languedoe im Plane gelegen, der durch die vorsorglichen Maßregeln des Königsvereitelt worden sei. Als dieser nun gefehlt und aber die Rüstung große Kosten verursacht hatte und esüberall hieß, der Kaiser wolle nach Algier, sei der Zug, trotz der ungünstigen Jahreszeit, dahin unternommenworden; daß er mit viel größer»! Verlust als Vorthcil, wenn überhaupt ein solcher erlangt worden wäre,geendet habe, sei bekannt. 4. Die „ungläubigen Christen", die den Kaiser an einem ferner» Unternehmengegen Algier hindern sollen, wisse der Gesandte nirgends zu finden, außer etwa in des Kaisers Landen,namentlich in Spanien; die dortigen Bewohner hießen früher „Marrans" (Mauren) und da sie in derNachbarschaft der Africancr und Mohren waren, so dürften ihre Meinungen sich wieder den Ansichten diesergenähert haben. Wenn nun wirklich in Spanien jene ungläubigen Christen zu finden wären, so wäre besser,man würde dem Kaiser helfen, diese zu vertreiben, wie es früher auch geschehen sei, anstatt, daß er andereUngläubige aufsuchen sollte. Wenn der Kaiser von den Ungläubigen gedrängt werde, so habe er sie selbstgereizt; er soll sich ihrer also auch selber entledigen; hätte es Beute gegeben, er hätte sie auch nicht mitAndern gctheilt. Der Kaiser klage unbillig, daß Andere, die vor den Ueberfällcn der Ungläubigen sicherseien, ihn belästigen und schmähen. Diese Gefahr habe er eben selbst hervorgerufen, da er nur Andern ohneRecht das Ihrige zn erobern begehre. Der König habe immer den Frieden gesucht, der Kaiser dieses abernie verstehen wollen, u. s. w. 5. Der Gesandte gehe mit dein Kaiser darin einig, daß Uebcl und Strafenvorhanden seien, die Gott wenden möchte. Aber dafür sei nothwendig, daß der Kaiser sich mild erzeige unddem König Billigkeit wiedcrfahrcn lasse; dann würde der König sich mit ihm vertragen und die Christenheitzur Ruhe und Einigkeit kommen, so daß kein Ungläubiger sie angreifen dürfte. 6. Wer das Gerücht überein Bttndniß des Königs mit den Türken ausgestreut habe, möge des Kaisers Botschaft wohl Wissen, da siedavon spreche „und ouch nit mit dttnen er ouch gcredt hat, dan ich bezüg an kuntschaft am ende des artikclsund uf in dem ich eins zu treffen gpb"; auch setze er es Gott heim, der Alles wisse. 7. Es werde gesagt,der König beabsichtige, die eidgenössischen Knechte gegen das Herzogthum Mailand und andere Länder desKaisers zu verwenden (und gewarnt, solchem Folge zu geben). Allerdings nehme der König das eidgenössischeKriegsvolk nicht des Tanzcns wegen; aber er nehme dasselbe, daß es gemäß der Vereinung diene, mögendabei Mailand und andere Länder im Spiele sein; man könnte auch nicht sagen, daß er nicht Ursache hätte,