Januar 1542. 101
verhandelt und dann auf einen andern Tag verschoben worden. An diesem sei die Gesandtschaft neuerdingserschienen-, ebenso der Gouverneur. Sie (die Berichterstatter) haben darauf gedrungen, daß die Genanntender Sache ihren Rath angcdeihen lassen, worauf der bekannte freundliche Spruch erfolgt sei. Nach derAbreise der Gesandten habe Gott Gnade gegeben, daß die in den früher erfolgten Briefen und in den Zu-schriften von Zürich, Basel, Straßburg und Constanz enthaltenen Vorstellungen solchen Eindruck machten, daßaller Zwist und alle Feindschaft, ausgenommen bei einer kleinen Zahl, aufgehört habe. Hierauf hätten dievon Bern ihren Brief vom 26. November übersendet (sein Inhalt wird wiederholt) und darauf Antwortverlangt. Tags darauf (!) habe man den Rath und die Gemeinde versammelt, das Mißliche der Sacheund die guten Rathschläge der Städte und Anderer in Betracht gezogen und Alle um ihre Meinung befragt,wobei das Mehr dahin erfolgt sei, daß man Farcl in Amt und Dienst verbleiben lasse, wie Alles in dergleichen Tags nach Bern gesandten Antwort gemeldet sei. Durch allgemeinen Beschluß sei ferner verfügtworden, daß alle fernem bezüglichen Beleidigungen durch Wort oder Werk bei Strafe verboten sein sollen,wie solches ins Stadtbuch eingetragen sich befinde. Nachdem nun die Sache zu so gutem Ende gebrachtworden, seien Einige vor die Herren zu Bern gegangen und hätten denselben unrichtige Dinge vorgegeben.Das sei wider Brief und Siegel der Stadt und wider den Willen derer von Bern, wie dieses aus demletzten Briefe derselben sich ergebe. Man bitte daher, solche Leute gebührend abzuweisen; solcher Scandalkränke die Ehre Gottes und zerstöre die öffentliche Ordnung. Für den Fall, daß sie Klagen gegen Farelhätten, habe man ihnen wiederholt das Recht angeboten, was sie aber anzunehmen verweigert haben. Manhabe sie auch freundlich gebeten, wenn sie durch gewisse Worte von Farel oder Anderer sich beleidigt glauben,eine allgemeine freiwillige Aussöhnung eintreten zu lassen, auf daß die Kirche Christi nicht in Zerwürfnis;gerathe und man in der Kcnntniß des Evangeliums fortschreite. Auch dieses sei nicht zu erlangen gewesenund man sei daher jetzt gezwungen, ihnen anders zu begegnen, als man es gewünscht hätte. Es sei keinGrund vorhanden, gehörig angenommene Diener der Kirche zu verstoßen, wenn sie weder Irrlehre noch Nach-lässigkeit in der Verwaltung, noch tadelhaften Lebenswandel sich zu Schulden kommen lassen, was bei Farclnicht der Fall sei. Man bitte daher, zur Ehre Gottes und der Stadt, im Verein mit dem Gouverneur,solchen Leuten kein Gehör zu geben.
St. A. B-rn: Kirchl. Angelegenheiten Ik«l>—5». Ohne Datum, Ucber-und Unterschrist. Eine spatere Archivbczeichmmg weist, doch wohlirrig, das ActcnstUck WS Zahr ISSZ. Dasselbe ist französisch.
2) Antwort der Gegner Farcls an Bern. 1. Es werde hervorgehoben, daß man zugebe, Farel machesich mit Bezug auf seine Lehre und seinen Wandel keines Tadels schuldig. Wenn ein Meister einem Knechtden Abschied gebe, trachte man nicht, ihn herabzuwürdigen, sondern gebe ihm seinen Lohn, ohne seine Ehre zubetasten. Indem sie aber die Gefahr eines Zwiespaltes betrachten, wie solcher bereits entstanden sei undferner entstehen könnte, wollen sie nun einmal den Farcl nicht weiter als Diener haben. Als nun die von Bernzur Beilegung des waltenden Anstandes ihre Gesandten schickten, sei vereinbart worden, was diese in Verbindungmit dem Gouverneur sprechen, soll von beiden Parteien gehalten werden. Der Spruch sei dann dahin erfolgt,daß Farel noch zwei Monate bleiben und sich dann entfernen solle, wenn während dieser Zeit die Parteiensich nicht vereinigen würden, Was nicht erfolgt sei. 2. Die Briefe einiger Städte lasse man bleiben. 3. Wennes in den Briefen Berns heiße, es sei nur noch eine kleine Zahl, fünfzehn oder scchszehn. Unzufriedenervorhanden, so sei man hier übel berichtet. Wie man früher gezeigt habe und sich aus dem Verzeichniß, dasman besitze, ergebe, belaufe sich diese Zahl höher. 4. Das Mehr und die angerufenen Briefe und Siegelbetreffend sei zu bemerken, daß ein so gefährlicher und großer Tumult entstanden sei, daß von den GegnernFarcls sechszig bis achtzig sich entfernten, indem sie sagten, sie wollen nicht gctödtet werden, und nur nochdrei- oder vierundzwanzig zurückblieben, nachdem beim Eide das Verbleiben geboten worden war. Als essich dann darum gehandelt habe, auf den Brief derer von Bern eine Antwort zu geben, habe Peter Chambrier,der Stellvertreter des abwesenden Herrn von Prangin, erklärt, er besitze keine Vollmacht mit Bezug auf denSpruch, den sein Oberer und die Gesandten von Bern gegeben haben; um die fragliche Antwort zu erlassenmüsse man die Zurückkunft des Gouverneurs abwarten. Die betreffenden Vieruudzwanzig seien dann dieser