24
Mai 1541.
St. Victor und Chapitre haben, gänzlich denen von Genf abtreten und letztere dafür eine Geldsumme vergüten;oder aber es werden an verschiedenen Orten dieses Gebiets hohe und niedere Herrschaft gegen einander alls-getauscht. Das gebe man den Abgeordneten beider Städte bis Morgen zu bedeukeu; sollten sie selbst bessereMittel wissen, so mögen sie dieselben dann ebenfalls anzeigen. 3. (11. Mai.) Schultheiß von Wattenwyleröffnet, das erste der beiden vorgeschlagenen Mittel werde seinen Herreil nicht genehm sein; eher würdeilsie voil dem zweiten Gebrauch »lachen, obwohl dessen Anwendung wegen des verwickelten Durcheinanderliegensvon Land und Leuten, die der einen und andern Stadt gehören, schwierig sei, und es müßte der Austauschjedenfalls so geschehen, daß die au Bern fallendeil Plätze in gedeihlicher Lage angewiesen würden. DieAbgeordneteil von Genf begehren, daß die Vermittler vor Allem aus Bern vermögen, die von Genf wiederin den ihnen entwehrten Besitz kommen zu lassen. Die Vermittler bemerken, dieses sei nicht ihre Sache,sondern komme eher Nechtsprechern zu. Darauf erklären die Gesandten von Genf, sie könnteil sich einenAustausch in Geinäßheit des zweiten Vorschlages gefallen lassen. Auf dieses verlangen die Vermittler, daßihnen, wenn möglich, angezeigt werde, was je eine Stadt innerhalb dem Gebiete der andern besitze. Daraufantwortet der Schultheiß von Wattenwyl, es sei dieses jetzt unmöglich, zumal Einzieher und Schaffner hierüberbefragt werden müssen; es sei aber viel gerathener, dieses an Ort und Stelle zu thun, wo die mit derSache bekannten Commissaricn verhört werden können. Die Gesandten von Genf bezeichnen einiger Alaßenihre Lande und die Güter und Dörfer vom Priorat und Chapitre. Da abgeseheil von den Gründen, welchedie Boten von Bern angezeigt haben, die Gesandteil doch nur auf Hintersichbringen handeln können, so erstichtman dieselben, den benannten Vorschlag eines Austausches an die beidseitigen Obern zu bringen und dieselben,wenn möglich, zu bestimmen, den Vorschlag anzunehmen, wodann man sich behufs dessen Ausführung aneine gelegene Malstatt begeben werde. 4. (12. Mai.) In weiterer Verhandlung mit den Parteieil hat mandie Gesandten von Bern angefragt, ob es nicht möglich wäre, daß die Herrschaft St. Victor und Chapitredenen von Genf gegen einen Ersatz ganz und gar abgetreten würde. Als dieses verneint wurde, schritt manzu dein andern Proceß (die Klageil Genfs) und hat eine Uebcrsetzung von Klage und Antwort auf denmorgigen Tag angeordnet. Daneben redeten die Gesandten von Genf Vieles, wie sie gegen eine Uebergabeder benannten Herrschaften Ersatz leisten wollteil. 5. (13. Mai.) Die Abgeordneten von Genf, Kläger indiesem Proceß, lassen ihre Klage, und die von Bern ihre Antwort verlesen. Jene fügeil nicht viel bei, dieBerner Gesandteil aber „decliniren" mit einer „Zured" einiger Maßen die vorgebrachte Klage. Die von Genfbegehren hierauf einen Verdank, der ihnen bewilligt wird. Nach dem Imbiß legen sie ihre (im Proceß enthaltene)Neplic ein. Darauf eröffnen die Vermittler, sie wollen das Vorgebrachte jetzt für einmal bleibeil lassen;weil sie aber wahrgenommen haben, daß die Parteien noch mehr Klagen gegeil einander habeil, so wünschensie, daß dieselben auch vorgebracht werden, damit man desto besser zu dein Handel greifen könne. Für dieschriftliche Abfassung derselben haben sie Zeit bis Morgen. II. 1. Die Stadt Genf beschwert sich wegeilVerleihung gewisser Pfründen, von denen sie meint, daß sie des Bisthums wegen ihr zustehen. Bernwiderspricht dieser Ansicht. Die Nnterthädiger wollen diesen Punkt behandelt wisseil wie die Ausgleichungin Betreff St. Victor und Chapitre; wenn nämlich diese Ausgleichung erzielt würde, so sollte leicht so vermitteltwerden können, daß jede Stadt die in ihren Herrschaften gelegenen Pfründen zu verleihen Hütte. 2. Genfbeschwert sich, Bern führe Gefangene durch Stadt und Gebiet derer von Genf. Die Gesandten von Bernantworten, sie hätten nicht geglaubt, daß dieses Anlaß zu Klageil gebe, da ja Genf im Frieden und im Kriegoffene Stadt derer von Bern sei; da aber die von Genf dieses so hoch aufnehmen, so wollen sie künftig andere