III
Savoyen scheint sich allmälig von seinem in der frühern Periode erlittenen Schlage erholenzu wollen. Zwar nur leise und schüchtern kommen von dieser Seite Anregungen für gütlicheoder rechtliche Auseinandersetzung der vorläufig nur mit den Waffen zustandegcbrachten Verhältnisse.Diese Anregungen werden von Bern und namentlich auch von den katholischen Orten verstanden.Die von den letztern gegenüber den evangelischen Städten in allgemeiner Formel betonte Frage:ob sie gegen Jedermann und über Alles zu Recht stehen wollen, gilt ganz wesentlich den Be-ziehungen zwischen Bern und Savoyen.
Gegen den Schluß unserer Periode sind es namentlich noch zwei Verhältnisse, au denender eousessiouelle Gegensatz der Parteien hervortritt.
Der Papst hin Verbindung mit dem Kaiser) ermüdet nicht, das Zustandekommen einesallgemeinen Concils zu betreiben, und seine diesfälligen Einladungen erreichen wiederholt auch dieEidgenossen. Lange bleiben beide Religionsparteien hiergegen kalt und erledigen die an sieherantretenden Vorträge mit ausweichenden Antworten. Gegen das Ende unseres Zeitraumesaber werden die katholischen Orte lebhafter und treten au die evangelischen Städte mit der Frageheran: ob diese einer erneuerten Aufforderung zum Besuche des Concils entsprechen und denBeschlüssen desselben sich unterordnen wollen. Die Berathung der Antwort veranlaßt unter denAngefragten selbst abweichende Systeme. Judessen geschieht während dieser Periode von keinerSeite ein maßgebender Schritt.
Wenn auch ohne ein actives Auftreten zu veranlassen, so war doch nicht ohne dircctcBerührung der Schmalkalderkrieg an den Eidgenossen vorübergegangen. Der Hinweis derverbündeten Reichsstände auf die auch den Eidgenossen drohende Gefahr einerseits, und dieVersicherungen des Kaisers, sein Vorgehen bezwecke nur die Bestrafung einiger ungehorsamerReichsglieder anderseits, beschäftigten die Dagsatzungcu mehrfach und erzeugten ungleiche Gefühle.Indessen blieb die Eidgenossenschaft ostensibel parteilos und die Mehrheit der Orte mahnte dieausgezogenen Reisläufer heim. Am nächsten und fühlbarsten tritt dieser Krieg in seinem Schluß-punkte, der zugleich den Schluß unserer Blätter bildet, in der Katastrophe von Constanz au dieEidgenossenschaft heran. Die Situation mußte der letztern die Frage nahe legen, ob der Momentnicht gekommen sei, die benachbarte Reichsstadt in nähere, vielleicht bleibende Verhältnisse zu denEidgenossen heranzuziehen. Es ist aber wieder der coufessiouelle Zwiespalt die Hauptursache, dieda bewirkt, daß hier im Nordosten der Eidgenossenschaft sich nicht vollzieht oder wenigstensernstlich versucht wird, was vor zwölf Jahren im Südwesten mit Bezug auf Genf vorging.Constanz wird in Folge dieser Verhältnisse von seinem Schicksal ereilt, und was die Natur derEidgenossenschaft zugeschieden hat, bleibt politisch von dieser getrennt.
Wie früher, so erübrigt der Redaetion dieses Abschiedebandes auch jetzt die Ehrenpflicht, denfreundlichen Gönnern und Beförderern dieser Arbeit (möge sie ihrer Mitwirkung würdig sein!)