Druckschrift 
4,1,a (1873) Die eidgenössischen Abschiede aus dem Zeitraume von 1521 bis 1528
Entstehung
Seite
92
Einzelbild herunterladen
 

August 1521.

Papst am letzten Freitag Hauptleute, Venuer und andere Aemter besetzt worden; wie bald aber der Aufbruchgeschehe, wisse mau noch nicht. Wie sich die Länder in ihren Gemeinden entschließen, hoffe man morgen frühzu vernehmen, zc. K. A. Fr-iburg: A. Lucei-N tB-rn-r C°pi-1.

Zu Ii (auch i, Ii). Zur Characteristik der Situation legen wir folgende Acten ein:

1) 1521, 10. August (Laurentii). Bern au Freiburg, Solothurn und Basel. Nach Prüfung des letztenAbschiedes von Zürich erachte man für nothwendig, die Zeitumstände wohl zu erwägen und wo-möglich einenLandkrieg zu verhüten; da mau nun sehe, daß den Knechten der vier Städte (von den andern Orten) niemandnachziehe, so daß dieselben verlassen und starkem Widerstand ausgesetzt seien, so glaube man sich selbst mehr alsdem König schuldig zu sein und habe daher die Angehörigen in Mailand ernstlich abgemahnt, auch eine Botschaftmit Vollmacht zu weiterer Mahnung abgefertigt, indem man zu bedenken habe, daß es keinem Theile Nutzenbrächte, wenn die Knechte in beiden Lagern mit einander schlagen sollten, zc. St. A. B-rn: T-utsch Miss. o. so? d.

2) 1521, 12. August (Montag nach Laurentii). Bern an Sebastian voin Stein und Rudolf Nägeli inMailand. Seit der Abmahnung der Knechte sei Herr von Lamet erschienen und habe „so viel angezeigt", daßman sich zu dem Befehl bewogen sehe, mit der Abforderung zurückzuhalten, jedoch in dem Sinne, daß sich dieLeute nach Mailand zurückziehen und gegen die Widerwärtigen nichts unternehmen, sondern den Beschluß derTagsatzung in Lucern erwarten sollen, den man sofort melden werde; Hnuptleute und Knechte seien also allesErnstes zu mahnen, diesem Gebote Folge zu leisten, zc.

3) 1521, 12. August (Montag nach Laurentii). Bern an Basel, Freiburg und Solothurn. Obwohl manletzthin gemeldet, daß man die Knechte in Mailand abmahne, (sei jetzt doch die Mahnung eingestellt); denn Herrvon Lamet habe sich darüber beklagt und die Gefahr vorgestellt, die dem Herzogthum Mailand drohe, und des-halb so dringende Mahnung gethan, daß man sich entschlossen habe, andere Befehle zu geben (folgt das Nähere),bis in Lucern und Zürich nach Anhörung der Gesandten aller Parteien weitere Maßnahmen genommen werden, zc.

St. A. B-rn: Teutsch Miss. o. sös-ses.

4) 1521, 22. August (Donstag vor Bartholomäi). Bern an Sebastian vom Stein und (Rudolf) Nägeliin Mailand. Antwort auf ihre Meldung, daß sie nach Cremoua, Parma und Piaccnza ziehen und da die Feindesuchen wollen, zc. Man finde an diesem Anschlag kein Gefallen, da man ihnen befohlen habe, in der StadtMailand zu bleiben und nicht den Feinden nachzugehen; wenn man bedenke, daß andere Orte nicht mitziehen,und für den Fall einer Schädigung ihrer Leute im päpstlichen Dienst nichts Gutes zu erwarten sei, daß auchin Stadt und Land viel Unwille herrsche, so erscheine nöthig, nicht zu eilen, sondern erst mit gemeinsamem Rat^zu handeln. Da man den Anfang gemacht und damit Vorwürfe gecrntet habe, auch nicht allein stark genug sei,das Herzogthum behaupten zu helfen, so werde man auf dein nächsten Tag in Zug mit den andern Orten tapferreden und sie ermahnen, die Ihrigen auch nach Mailand ziehen zu lassen und damit dem König die Vereinungzu halten wie Bern; wenn sie es nicht thun, so werde man erklären, daß man die eigenen Knechte heimmahnenund sich des gegenwärtigen Krieges nicht mehr beladen wolle; man hoffe, daß sie darauf Rücksicht nehmen undsich (endlich) anschließen werden; darum befehle man nochmals bei allen Pflichten, bis auf weitern Bescheid inMailand zu bleiben; denn sollte aus dem Ungehorsam irgend etwas Schlimmes erfolgen, so würde man sie(„üch") verantwortlich machen, zc. St. A. B-rn: T -up-h Miss. 0. orr-ms.

Eine etwas veränderte Redaction ist auf k. 383—384 nachgetragen.

5) 1521, 21. August, Parma. Die eidg. Hauptleute im päpstlichen Dienst an (die Tagsatzung?). Siehaben letzthin über ihr Thun und Lassen geschrieben, wissen aber nicht, ob dieser Bericht präseutirt worden sei;rnn aber nichts zu versäumen, melden sie nun, daß sie mit einem starken Heer zu Fuß med zu Roß und mitstarkem Geschütz vor Parma liegen und die zwei Städte Parma und Piacenza, die der Kirche zugehören, mitGottes Hülfe zn erobern gedenken; der Legat Puccius sei immer bei ihnen und halte treulich, was er zusage;es sei auch wahrlich kaum zu glauben, daß die Eidgenossen je so ehrenvoll gehalten worden wie jetzt. Nun ver-nehmen sie mit Befremden, daß ein Theil der Eidgenossen mit den Franzosen von Cremona aus wider sie ziehenwollen, während man doch sie zu Mailand ruhig gelassen; wenn dieselben kämen, so müßten sie sich als biderbe