August 1521, 77
„Hat aber merklich (al. mer) erklärt, wie die röm. keis, Mt. gegen der loblichen Eidgnoschaft wie hievor(zuo) aller gnaden geneigt nnd nit allein inen in künftigem einigen abbruch an iro lib um ein einigs haar oderan land nmb ein spannen erdrich oder an iren erlichen fryheiten nit zuo thuon, sunder wie das fuog nnd erbargestalt mög ertragen, als glider des heil. Richs lassen blyben und darby beschirmen,-damit nieman an ir Mt.keinen grusen oder fürsorg bedörf zuo haben, daß in künftigen ziten etwas Nachteils einer Eidgnoschaft uß ir Mt.wolfart möchte entstan.
„Und (zuo)letst, ob sich ein loblich Eidgnoschaft der fürträgen, so uf disem tag durch Herr Cardinal und(sine) mitgcsandten in namen und von wegen röm. keis. Mt. gethan, wurde und wölkte inlassen, so (sye) darumgenuogsamer gewalt vorhanden, den man wo not wurde erzöigen, damit ein fromme Eidgnoschaft alle redliche undfromme der keis. Mt. gegen der loblichen Eidgnoschaft und der Handlung jetzo fürgetragen gespüren möge.
„Hat dise ding uß gnoten trüwen und warheit wölken als ein Eidgnoß den ersamen Kotten offenbaren."
Die vorhandenen Abschriften sind durchweg sehr mangelhaft, am besten noch das vermnthliche Original imStaatsarchiv Zürich: A. Papst.
St. A. Zürich: Tschud. Abschiede-Sammlung, Bd. 5, Nr. 40. — St. A. Bern: Abschiede ?. p. 448—458. — L. A. Nidwalden. — K. A. Basel:Abschiede, 5. 84—86. — K. A. Freiburg: Abschiede, Bd. 56. — K. A. Solothurn: Abschiede, Bd. X. — Stiftsarchiv St. Gallen.
Zu « . 1. Das Lucerner Exemplar enthält als Beilage zwei Vorträge päpstlicher Botschafter, die von demAbschiedterte wesentlich abweichen, hier jedoch nur im Auszug aufgenommen werden können.
1) Mit Berufung auf die in Lucern und Baden erörterten Vorgänge in Italien spricht der eiligst ein-getroffene Gesandte die Zuversicht aus, daß die „wohlhcrgekommenc edle Nation" der Eidgenossen, als Verbündetedes Papstes, seine allerliebsten Söhne, Beschirmer der Kirche, ihrem angebornen besondern Gehorsam gegen S. H.cntjprechend, in diesem Handel ihn nicht verlassen werden. In der Hoffnung, sein Ziel leichter zu erreichen, habe« die ihnen „allerangenehmste Person", die mit ihnen Arbeit und Sorge,, Angst und Freude und „beiderleiGlück" gctheilt, beauftragt, mit ihrer „großmächtigen Herrschaft" zu verhandeln.
Den Eidgenossen sei bereits erklärt worden, daß ihr Bündniß mit Frankreich den h. V. vorbehalte, daß esAso durch Unterstützung des letzteren nicht verletzt werden könne; dcßhälb habe er erwartet, daß sie die Knechte,die so freventlich, „ohne alle Vernunft", nach Mailand gelaufen, heimfordcrn würden, bis die Sache durch ihreVermittlung in Güte erledigt worden wäre, und daß sie sich dabei unparteiisch verhielten, sodaß Niemand Ursachegehabt hätte, über sie zu klagen. Statt dessen haben sie eine Antwort auf des Papstes dringendes Begehren vonstnem „Tage" zum andern verschoben; die französische Partei habe indessen sogar unter den Augen seines Ge-landten gerüstete Knechte zu seinen Feinden geschickt. Die Eidgenossen werden wohl erkennen, ob eine solcheHandlungsweise gerecht und vernünftig sei, ob der Papst sich das von seinen liebsten Söhnen, auf die er seinebeste Hoffnung gesetzt, gefallen lassen könne; während die Franzosen die Kirche vielfältig schädigen und beraubenund die bösen Anschläge, die sie ausgeübt, dem h. V. zur Last legen, halten ihn seine Bundesgenossen hin mit^«'sprechungen und gestatten dem Feinde, Leute zu werben, sogar wider ihre Vereinung. Den fünfjährigen Frieden,den der Papst mit großen Mühen und Kosten zu Stande gebracht, habe der König von Frankreich zuerst vonallen Fürsten gebrochen durch de» Einfall in Navarra, dann durch seinen Angriff ans Nütz, die Verrätherci desHerzogs von Ferrarn in Modena; es scheine aber, daß die Eidgenossen dem Angreifer mehr Glauben schenkenals dem Geschädigten, dem Statthalter Gottes auf Erden und seinem Gesandten nicht einmal Gehör gebenwollen; das stelle er dem Allmächtigen anHeim. Doch könne er noch nicht glauben, daß der h. V. bei ihnenweder Hülfe noch Rath »»ehr finden und wirklich verlassen werden sollte, obwohl die Feinde immer noch Zulauf«halten und Niemand heimbcrufcn werde.
Es werde nächstens auch eine Botschaft von Florenz eintreffen nnd noch andere Klagen vorbringen, wie z. B.lhre Kauflcute, ungeachtet des Bündnisses mit den Eidgenossen und des noch kürzlich ertheilten Geleits, in Lyonuerhaftet, ihre Bücher weggenommen, ihre Geschäfte geschlossen worden; da dem ganzen Staat daraus großerSchaden erwachsen könnte, so bitte die Gemeinde, Jung und Alt, um schleunigen Beistand, damit die Ihrigenwieder zum Genuß ihrer Freiheiten und ihres Vermögens gelangen, und verspreche für diese freundschaftliche