Druckschrift 
2 (1863) Die eidgenössischen Abschiede aus dem Zeitraume von 1421 bis 1477
Entstehung
Seite
184
Einzelbild herunterladen
 

184

October 1444.

Ä8R.

Bern. R444, 18. ^October (St. Lucas des Evangelisten Tag).

Staatsarchiv Ber«.

Schultheiß und Rath zu Bern und die bei ihnen versammelten Boten gemeiner Eidgenossen vonSolothurn, Lucern, Uri, Schwyz, Unterwalden, Zug und Glarus schreiben an Bürgermeisterund Räthe zu Biberachoder iren ratzfründen, so vff dem tag zu Costentz sind" : Man vernehme, daßdie Eidbruchigen von Zürich sich vor Fürsten, Herren und Städten beklagen, wie die Eidgenossen siebekriegten wider Gott, Ehre und Recht, und doch haben diese auf allen Tagen von Zürich nur Rechtbegehrt nach den geschwornen Bünden, es aber nie erlangen können, indem Zürich ihnen stets auf andereHerren und Städte Recht geboten habe, was, ausgenommen um geistliche Sachen, laut den Bünden unzu-lässig sei. Ebenso sage Zürich über die Eidgenossen aus, sie hätten das hochheilige Sacrament des Fron-leichnams,vff den alle vnser Zuversicht vnd ganzer criftenlicher gloub gesetzet ist"', geschmäht. Das sollsich niemals finden, denn wer unter ihnen solches gethan hätte, den wollten sie ohne Gnade richten. DieZürcher hätten zwar etwas Kundschaft eingenommen von etlichen Priestern und Andern, die in wenigerAchtung stehen und deren Worten sie selbst keinen Glauben beimessen. Im Gegentheil haben die Eid-genossen Leute, welche Kirchen ihrer Zierden, namentlich solcher, die das heilige Sacrament berühren,beraubt haben, vom Leben zum Tod gebracht. Die Fürsten, Herren und Städte des ganzen römischenReiches mögen sich nur bei ihren in diese Gegend handelnden Kaufleuten erkundigen, ob die Eidgenossennicht gute Christen seien und alle unchristlichen und boshaften Worte strafen. Man begehre, daß, wenndieser Krieg einmal zu Ende komme, Fürsten, Herren und Städte selbst ihre Botschaften anherschicken,um diesen Vorwurf zu untersuchen. Vis dahin möge man den Kundschaften jener verruchten Pfaffennicht glauben; dennsich von allen denen, so in dise land gewandlet hant, wol erfinden sol, das merverruchter, Moser Pfaffen vnd Nunnen in Zürich sint vnd lange her gewesen sint, denn man von Götzgnaden in der gantzen Eidgnosschaft find". Nun habe sich freilichvnser vngnediger Herr", der römischeKönig, der Zürcher angenommen und getrachtet, sie durch ein neues Bündniß von den Eidgenossen abund zu dein Hause Oesterreich zu ziehen, zu großem Abbruch des heiligen römischen Reiches.Davzu hater das vnmilt, streng Volk von Frankrich vff vns bracht, von denen wir bi acht hundert fromer, redlicher,biderber knechten verloren hant. Doch sint si sin nit vergebens Hinkomen; si haben dagegen verloren,das der Dalfin selbs sprach, er wölt als groß gold geben als er wär, das die sinen vnd die vnsernnoch in leben wären. Doch rüwent vns die vnsern vil bester minder, sider das si redlichen bestandenvnd an keiner flucht erstochen sint, vnd das si sich einen ganzen summer langen tag gegen Iren vigendeNso redlichen gewert hant, da doch der andern drissig an der vnsern einen warent. Aber üwer wißheit,ouch all fürsten, Herren vnd ftett mugent wol Innen werden, was gutz oder fromm dem gantzen R>äldauon sol vfferstan, ob das frömd Volk von Tütschen landen kein. Doch getruwent wir dem allmechtigeuGott, wir welleut vns Zr vnd aller vnser tagenden wol erweren vnd vnser land beschirmen vnd behüten,ob wir gegen üwer früntschaft, ouch fürsten, Herren vnd andern stecken mit verlognen Worten nit werdentmit vnschulden verclegt, das wir in üwern vngunst komm." Die Eidgenossen bitten demnach, den lüg-nerischen Vorgaben betreffend ihr angeblich unchristlichcs Thun keinen Glauben beizumessen, sondern i"'