202Gräfin überworfen und gesucht zu haben, dieselbe aus demBesitz zu verdrängen. Vielleicht hatte er selbst den Gedanken,die Herrschaft für sich zu erwerben, wenigstens machte erdem Kurfürsten dahin zielende Vorschläge: Die Herrschaftsolle ihm (Märken) auf zwölf Jahre überlassen werden, dafürversprach er, 15,000 Florin vorzuschießen zu 3%; fernerkönnten Broichhausen und Scheurenhof*) so theuer verkauftwerden, daß an der Schuldsumme nur noch 40,000 Florinübrig blieben, um diese zu tilgen, brauche man nur einKapital auf Neersen zu erheben. Dagegen reservirte sichMärken sämmtliche Einkünfte zur Tilgung seines Vorschussesund für Abtragung der Zinsen. Das Mobilar, mit Aus-nahme des Silbergeschirres und der Kanonen, sollte er ebenfalls erhalten. Um dem Kurfürsten den vortheilhaften Handelrecht plausibel zu machen, wurde von der Herrschaft ebenkein glänzendes Bild entworfen. Der Kurfürst acceptirte dieVorschläge des Märken und beauftragte ihn, die nöthigenGelder herbei zu schaffen und die Pfandschaft zu kündigen.Um der Sache einen bessern Anstrich zu geben, beschuldigteman die Gräfin, die sich mittlerweile mit dem FreiherrnOtto Heinrich von Gemmingen vermählt hatte, daß sie aufdem Schlosse das „Exercitium religionis lutheranum“ duldeihr Verwalter Stündeck sei ein früherer Feldscheer, ihr Gemahlv. Gemmingen verwüste die Wälder der Herrschaft und suchemit Hülfe des Königs von Preußen sich das Neersener Lehenzu verschaffenDas Domkapitel, dem der Contrakt zur Genehmigungvorgelegt wurde, ließ sich durch diese Gründe bewegen, seineEinwilligung zu geben, änderte aber, nachdem das GutBroichhausen nur zu 17,155 Florin hatte verkauft werdenkönnen, den Vorschlag des Märken dahin, daß 60,000 Fl.sollten aufgenommen werden. Auch wurde Märken schonnach und nach bei Seite geschoben und der HofkammerrathMastiaux mit der Leitung der Angelegenheit betraut.Die Gemmingen weigerte sich, die Pfandlöse anzuer-kennen, da sie noch ein Jahr berechtigt sei, auch wäre dieKündigung zu spät geschehen. Auf ihre Vorstellungen inBerlin protestirte auch im Namen des Königs von Preußen*) Im 17. Jahrhundert im Besitz der v. Bevervorde-
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Geschichte der Herrlichkeit Neersen und Anrath : mit besonderer Berücksichtigung des alten Pfarrbezirks Anrath mit den Dörfern und Ortschaften Neersen, Schiefbahn, Kehn und Clörath sowie des Schlosses und der Herren von Neersen
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