XXXIX
solcher Erker hat auf die Größenwirkung des Raumes, dem er angegliedert ist, einensehr bemerkenswerten Einfluß. Der Raum erscheint durch die langen Perspektiven,die sich dem Blick öffnen, ungemein erweitert und übt fast die Wirkung aus, als obdie Hauptwand des Raumes um das Maß des Erkers hinausgerückt wäre.
Eine fernere Möglichkeit der Steigerung des Raumeindrucks liegt in der Ver-bindung von Zimmern. Zwei durch Glasschiebetüren verbundene Zimmer wirken,wenn man von einem Ende des Zimmers durch die Glastür nach dem andern Zimmersieht, in gewissem Sinne wie eine Einheit. Noch besser ist es natürlich, wenn mandie Türen zurückschiebt und die Öffnung im ganzen wirken läßt. Zu einer nur losenTrennung zweier Räume genügt unter Umständen auch schon ein Vorhang und leistetoft bessere Dienste als eine Schiebetür. Es kommt darauf an, ob man die Zimmergelegentlich für den Blick trennen oder auch Schallübertragungen ausschließen will.
Von größter, ja ausschlaggebender Wichtigkeit für die Raumwirkung sind dieLichtquellen. Die Lichtquellen eines Wohnhauses sollten ausschließlich nach den Ge-sichtspunkten der Raumwirkung der Zimmer angelegt sein, nicht nach denen derFassadenwirkung. Im allgemeinen gibt eine einheitliche Lichtquelle, das heißt alsoein gruppiertes Fenster, eine bessere Wirkung als die übliche Achsenanordnung derFenster mit den zwischen den einzelnen schmalen Fenstern sitzenden Mauerpfeilern.Man kann jedoch auch durch den Rhythmus verteilter Lichtquellen eine sehr guteWirkung erreichen, wenn man sich entschließt, die Fensterpfeiler entweder sehr schmalzu machen oder mit schrägen Leibungen zu versehen, um den unangenehmen Schatten-kegel zu vermeiden, den breite Fensterpfeiler ins Zimmer werfen. Die Höhe, in welcherdie Fenster in der Zimmerwand sitzen, ist von großem Einfluß auf die Wirkung desZimmers. In Zimmern, bei denen der Blick nach außen gelenkt werden soll, die alsoeine schöne Aussicht bieten oder an einem Blumengarten liegen, lege man die Fenster-brüstung so niedrig als möglich, zwischen 45 und 70cm an. Soll dagegen ein Zimmerden Bewohner geistig konzentrieren und ihn gewissermaßen von der Außenwelt ab-schließen, so erreicht man durch eine sehr hohe Fensterbrüstung, bis zu 130 cm,den Eindruck einer gewissen Eingeschlossenheit, der ja unter Umständen seine Vor-züge haben kann. Immerhin muß gesagt werden, daß hohe Fensterbrüstungen leichtetwas Beengendes mit sich bringen. Wie hoch die Fenster an die Decke reichen sollen,ist ebenfalls eine wichtige Frage. Konstruktive Gründe verhindern es meistens, dieFenster bis dicht an die Decke zu führen, da über dem Fenstersturz noch die Decken-balken ein Auflager finden sollen. Das Hochhinaufragen der Fenster ist sowohl für dieBeleuchtung als für die Lüftung von Bedeutung. Die Beleuchtung wird bei hohenFenstern heller und freudiger, und für die Lüftung ist gerade der ganz oben sitzendeFensterflügel der wertvollste. Nach neueren Untersuchungen bleibt die Luftschicht, dieüber dem Fenstersturz liegt, ziemlich unbewegt und gleicht sich nicht mit dem übrigenLuftinhalt des Zimmers aus. Es geht daraus zugleich hervor, daß die gesundheitlichso viel gerühmten hohen Zimmer nur dann einen Wert haben, wenn gleichzeitig dieFensterlöcher bis an die Decke reichen, denn die sonst stagnierende obere Luftschicht hatnicht nur für den im Raum lebenden Menschen keinen Zweck, sondern sie bildet direkteinen Speicher für allerhand schädliche Gase.
Fast ebenso wichtig wie die räumliche Gestaltung der Zimmer ist die farbigeBehandlung. Ja, die farbige Behandlung wirkt eindringlicher als die räumliche Ge-staltung, so daß mit einem Zimmer von mangelhafter räumlicher Gestaltung durch einegute farbige Behandlung immer noch ein leidlicher Eindruck hervorgerufen werden kann,während umgekehrt ein sonst räumlich gut gestaltetes Zimmer durch eine falsche farbige