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Landhaus und Garten : Beispiele neuzeitlicher Landhäuser nebst Grundrissen, Innenräumen und Gärten
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kann wohl sagen, daß es heute keinen Städter mehr gibt, den nicht bei dem Gedankendes Wohnens auf dem Lande ein leises Sehnsuchtsgefühl durchwehte.

Freilich bedingt das Wohnen auf dem Lande eine Änderung der städtischenLebensgewohnheiten. Es ist nicht mehr möglich oder würde wenigstens absurd sein,die „Geselligkeit" in derselben Weise zu pflegen, wie sie heute in der Großstadt üblichist. Die allabendlichen Diners, die der Hotelwirt in die Etage liefert, und die der Gast-geber durch gemietete Diener in Livree servieren läßt, werden ebenso zur Unmöglich-keit wie der allabendliche Besuch von Konzerten und Theatern. Wer diese Gewohn-heiten des Stadtlebens fortsetzen wollte, für den würde der ländliche Aufenthalt nichteine Erholung, sondern eine Plage sein. Ob der Mensch aber durch Einschränkung dieserZerstreuungen in seinem inneren Leben eine Einbuße erleidet, ist mindestens zweifelhaft.Es sind nicht die tiefsten Naturen, die solche Anregungen in der Menge nötig haben,in der sie heute von großstädtischen Kreisen genossen werden. Wer stets nur angeregtwird, dessen innere Betätigungskraft erlahmt. Ein Abend selbstgemachter Hausmusikbringt oft tiefere Erbauung, als der Besuch eines Virtuosenkonzerts, ein Leseabendim Familienkreise kann einen erziehlicheren Einfluß ausüben, als der gewohnheits-mäßige Besuch des Theaters. Und eine als Steckenpferd betriebene wissenschaftlicheBeschäftigung erhöht den Reiz des Lebens mehr als der Besuch aller möglichen ausentfernten Gebieten zusammengeholter Vorträge. Das Stadtleben ist zu einem Lebenaußer dem Hause geworden, das Landleben muß zu einem Leben im Hause werden.Die Pflege des Familienlebens wird im Landhause notwendigerweise eine Steigerungerfahren, an die Stelle des Bewußtseins „sich jeden Augenblick verändern zu können"wird die ruhige Behäbigkeit des eigenen Besitzes, die Freude am Leben im eigenenHause treten, die allein die stetige Ausreifung der Persönlichkeit gewährleistet. DiePflege der persönlichen Kultur, von der jetzt soviel die Rede ist, kann kaum vondem Hotelleben der städtischen Etage aus erwartet werden. Zur persönlichen Kulturgehört eben nicht nur die innere anständige Gesinnung, die sich ja jeder Mensch injeder Umgebung wahren kann, sondern auch die anständige äußere Gestaltung unseresLebens. Wenn wir nun heute auch eine gewisse äußere Kultur in unserer Kleidungerlangt haben, so steht unsere heutige Stadtwohnung in desto größerem Widerspruchdazu. Ihr Inhalt birgt eine Summe von Unkultur, wie sie in den Wohnverhältnissender Menschheit noch nicht dagewesen ist. Überall ist der billigste Surrogatschwindel mitBehagen entfaltet, und es herrscht allein das Bestreben, dem Urteilslosen durch Prunk derAusstattung zu imponieren. Die Etagenwohnung wird von den ungebildetsten Elementendes Volkes geliefert und von den gebildetsten hingenommen. Wäre nicht der deutscheGeschmack auf einen kaum zu unterbietenden Tiefstand gesunken, wäre nicht dasGefühl für die einfachsten Forderungen der Gediegenheit, für ruhigen Anstand undvornehme Zurückhaltung gänzlich untergraben, so müßte es für den Gebildeten ebensounmöglich sein, in diesen Etagen zu wohnen, als er es abweisen würde, schlechtsitzendeKleider aus schäbigem Stoff zu tragen, die äußerlich prätentiös aufgemacht sind. Die Forde-rung der Gediegenheit und geschmackvollen Zurückhaltung auch an die Wohnung undden Hausrat zu stellen, versagt der heutige Deutsche noch vollständig. Und doch istdas Zimmer, in dem wir wohnen, ebensogut ein Teil unseres Selbst als der Rock, denwir anziehen, und wir sind ebensogut für die Gesinnung, die sich in unserer Wohnungausdrückt, verantwortlich zu machen, wie für die in unserer Kleidung.

Es ist der nächste Schritt zur Verbesserung unserer Lebensauffassung undäußeren Kultur, wenn die städtische Etage zugunsten des ländlichen Hauses bis zudem heute zulässigen Grade aufgegeben wird. Die Möglichkeit der Erreichung unseres