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64vor allen Nationen der Erde zu werden bestimmt war, auch imheiligen Liede den Vortritt haben sollte. Wer könnte all' dieseLiedesherrlichkeit und Sangeslust unseres Volkes ohne Erstaunenund Dank gegen Gott anschauen? Wer fühlte es nicht, daß nament-lich die evangelische Kirche Deutschlands unter allen Kirchen derErde das ist, was die Nachtigall unter den Sängern des Waldes,und daß eben in dieser hohen Gabe des geistlichen Gesanges, welcheebenso sehr dem Herzen und sittlichen Leben der Menschheit, alsder Entfaltung der Kunst und alles idealen Strebens zu dienenberufen ist, eine Macht liegt, die unserm Volke den Missions-Character für die Menschheit aufprägt?Wir haben an unserm bescheidenen Theile, den bewährtenForschern auf diesem Gebiete*) folgend, nur einen Ueberblick überden Liederreichthum unserer Kirche geben können, während dieeigentliche Freude an diesem Reichthum erst erwachen kann, wennman sich betrachtend und liebend in jede einzelne Blüthe desselbenversenkt. Dabei haben wir uns nur an das Nächstliegende undBekannteste halten müssen, um die Uebersicht nicht zu erschweren.Wenn unsere Leser aber durch diese kurze Schilderung angeregtwurden, ihre eigenen Lieder und Melodieen — denn sie gehören jauns Allen als unser unveräußerliches Eigenthum — auf's Neuezu schätzen und sie desto freudiger zu singen, so ist unsere Absichterreicht. Es sei denn auch im Blick auf dieses edle Nationalgutunseres deutschen Volkes unsere Aufgabe, uns dasselbe mehr undmehr geistig anzueignen und mit dem königlichen Sänger des AltenBundes zu sprechen: „Das ist ein köstliches Ding, dem Herrndanken und lobsingen deinem Namen, du Allerhöchster,des Morgens deine Gnade und des Nachts deine Wahrheitverkündigen, auf den zehn Saiten und Psalter, mitSpielen auf der Harfe!“ (Ps. 92, 1—4.)*) Palmer (Hymnologie), Koch (Kirchenlied), Kraußold (Kirchen= undChoralgesang), Döring (Choralkunde), v. Winterfeld 2c..