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Unsere Choräle : eine Festschrift zur Gedächtnissfeier des hundertjähringen Geburtstages ... B. C. L. Natorp
Entstehung
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58solche ehrenwerthe Zeugnisse der noch vorhandenen Religiösität,doch nicht mehr was eben das ächte Kirchenlied sein sollLieder der Kirche. Die Choräle haben also, wie Döring treffendsagt,das entgegengesetzte Schicksal der sonstigen musikalischen Er-scheinungen. Während bei diesen das Alte einer sich stets ver-mehrenden Fluth neuer Compositionen weichen muß, scheint jenenalten Kirchengesängen das Prädikatcantus firmus (feststehenderGesang) gleichsam schon im Geiste der Vorherverkündigung beigelegtworden zu sein.Erst eine neue große Zeit, die Schreckenszeit der französischenRevolution, sowie der Napoleonischen Weltherrschaft und die herr-liche Heldenzeit der Freiheitskriege, die unser Volk seine Ohnmachtund sein Verderben und als tiefste Quelle von Beiden: den Unglaubenerkennen ließen, konnte auch für das Kirchenlied einen neuen Morgenheraufführen. Schon die Schlachtenlieder stimmten den Ton derBuße und des lebendigen Christenglaubens an. E. M. Arndtwarf seine Schrift:Vom Wort und vom Kirchenliede wie einebrennende Fackel in die Herzen der Zeitgenossen. Die BerlinerSynode verwarf unter der Leitung von Schleiermacher, NeanderTheremin, Ritschl 2c. die wässerigen Gesangbücher der Aufklärungs-Periode und gab 1829 ein christgläubiges Gesangbuch den ausge-hungerten Gemeinden zurück. Bunsen sammelte sein durchauspositivesHausgesangbuch. Zu derselben Arbeit fühlten sichSynoden und Kirchenregimente an allen Orten gedrungen, und umetwas Gemeinsames für alle deutschen Kirchen zu erzielen, gab dieEisenacher Kirchenconferenz im Jahre 1852 ihre Sammlungächter 150 Kernlieder heraus.Auch neue Dichter brachte der gewaltige Umschwung desNationalgeistes hervor; zunächst dieRomantiker unter Schlegel'sund Tieck's Anführung, dieden Quell aller geistlichen Poesiedie liebevolle, demüthige Hingabe im Glauben mit der Macht be-geisterter Töne aus versteinerten Herzen geschlagen; unter ihnenE. M. Arndt, von welchem u. A. die Lieder stammen:Ich weißan wen ich glaube!Der heilige Christ ist kommen, unddas glaubensfrohe Sterbelied:Geht nur hin und grabt meinGrab! ferner Max v. Schenkendorf, dessen 1814 erschie-nene geistlichen Lieder mit Recht als derätherklare Aushauch