26aus; daher herrscht in ihnen ein reiner populärer Ton, z. B. indem bekannten heiteren Weihnachtsliede: „Lobt Gott, ihr Christenallzugleich“, mit seinem originellen, doppelt zu singenden Schluß,der hier zum ersten Mal vorkommt, sowie in dem Liede: „Erschienenist der herrlich Tag“. Das allbekannte: „Aus meines HerzensGrunde“, dem eine alte Volksmelodie zu Grunde liegen magwurde lange Zeit ebenfalls, aber wohl irrthümlich, dem Hermannzugeschrieben. Er sang aber das innige Sterbelied: „Wenn meinStündlein vorhanden ist“, und wie naiv seine Sehnsucht nachdem Himmel gewesen, die er in diesem Liede ausgesprochen, sagenuns seine Worte: „Es wird ein Organist oder Lautenist in jenemLeben auch ein'n heiligen Text in sein Orgel und Lauten schlagen,und ein Jeder wird allein und auswendig auf vier und fünfStimmen hortisiren und singen können. Es wird auch kein Fehlenund Confusion mehr geben, welche jetzt manchen guten Musikernunluig machet, zumal wenn man oft muß anheben.In Philipp Nikolai begrüßen wir einen westfälischenDichter, da sein Vater zu Herdecke an der Ruhr Pfarrer undspäter Inspektor zu Mengeringhausen im Waldeck'schen war. Erselbst bekleidete manche Pfarrstellen, bis er 1596 Pfarrer zu Unnawurde, und starb 1604 als Pfarrer in Hamburg. Als im Jahre 1597die ganz Westfalen verheerende Pest auch in Unna 1400 Personendahinraffte und täglich 20 bis 30 Leichen verscharrt wurden, wandtesich sein Geist ganz der Ewigkeit zu, und unter diesen Eindrückenentstand sein Erbauungsbuch: „Freudenspiegel des ewigen Lebens“,sowie vier Lieder, darunter das prachtvolle: „Wachet auf, ruftuns die Stimme“, zu welcher er auch die so hoch und prächtigklingende Weise — „eine himmlische Melodie“. — erfunden hat.Albert Knapp nennt dieselbe ein Gegenbild des StraßburgerMünsters, Palmer „den König des Chorals“. Sie erinnert andie Wächterlieder der Thürmer, wirkt besonders rythmisch gesungenwahrhaft majestätisch und ist der Ausdruck der freudigsten Himmels-sehnsucht und des Jubels, der einst bei der Wiederkunft des Herrndie Herzen seiner Gläubigen erfüllen wird. Es sind ihr deshalbauch zahllose Lieder später untergelegt und Lied und Melodie wohlzu allen protestantischen Völkern der Erde hindurch gedrungen.Dagegen ist die Melodie des ebenfalls von Nikolai gedichteten
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Unsere Choräle : eine Festschrift zur Gedächtnissfeier des hundertjähringen Geburtstages ... B. C. L. Natorp
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26
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