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Unsere Choräle : eine Festschrift zur Gedächtnissfeier des hundertjähringen Geburtstages ... B. C. L. Natorp
Entstehung
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6und die innige Zartheit der aus Gott gebornen Liebe, den er-schütternden Ernst der Buße und die sonnenhelle Heiterkeit des inder Versöhnung wurzelnden Friedens, die Thränen der zer-brochenen und die Lobgesänge der zum Himmel aufsteigenden Her-zen.Der christliche Choral sagt Jemandbirgt einezauberische Gewalt in sich, eine Gewalt, durch die er die Herzengewinnt und in den Himmel hebt. Das empfinden nicht blos diesiegesfrohen Heere, wenn sie am Abende der Schlacht, wie dort aufLeuthen's Fluren, dasNun danket Alle Gott anstimmen, unddie Trauernden, wenn am Grabe des Geliebtesten das:Wennich einmal soll scheiden! erklingt; das fühlen wir nicht nur, wennin Mendelssohn'sPaulus als Höhepunkt des ganzen groß-artigen Ton=Drama's dasWachet auf, ruft uns die Stimme!wie von den Posaunen des jüngsten Gerichtes hingeschmettert unsentgegen tönt, oder wenn wie dies ein berühmter Reisender alseinen seiner schönsten Reiseeindrücke beschreibt in mondbeglänzterNacht am Genfer See dem einsamen Wandrer das Nachtlied:Achbleib' mit deiner Gnade! vom vierstimmigen Männerchor gesungen,über die stillen Wogen entgegen schwebt, nein, diese Wunderge-walt übt der rechte Choral, in der rechten Weise gesungen, überallund allezeit auf unser Herz. Er ist wie Mosis Zauberstab, der auchFelsen berührt, daß ihnen Ströme des lebendigen Wassers ent-quillen, und was oft alle vernünftigen Beweise, auch mächtige Er-lebnisse nicht vermochten, das that ein heiliges Lied mit der ein-fältigen Gewalt seiner Worte, ja, seiner bloßen Melodie, eserhob die Herzen unwiderstehlich zu Gott, zum Glauben, zur Anbetung.Und wen könnte diese Macht des Chorals Wunder nehmen?Das Göttliche wirkt immer um so mächtiger, je unmittelbarer esauf uns eindringt. Und was ist unmittelbarer als die Sprachedes Tons? was einfacher als die anspruchslose Form des Choralsder absichtlich auf alles großartige Beiwerk verzichtet? was reinerals die religiöse Stimmung, die mit den krystallnen Wogen derMelodie in unsre Ohren und Herzen strömt? Darum heißt es inGottes Wort so oft:Singet dem HErrn mit Jauchzen! Kommtvor sein Angesicht mit Frohlocken! und Cymbeln und Harfen,Trompeten und Pauken werden aufgefordert, in das Lob des HErrnmit einzustimmen.