als nötig ausdehnt, und eine Forderung der Kultur, daß man einen ge-drängten aber woljl gepflegten Stadtgarten einem ausgedehnten aber fchlechtgepflegten vorzieht. Jeder Vergleich, mit der Bevölkerungsdichte in unfernGroßftädten wird unpaffend, wenn an der Forderung des Einfamilienbaufesund der Begrenztheit der Gartenftadt an pch feftgebalten wird. Vor nichtsaber follten wir uns merjr hüten, als den großen Rhythmus Stadt und Landin unferm Vaterlande aufzubeben, um an feine Stelle ein endlofes Durch-einander von ßäufern und Bäumen zu feljen. Stadt und Land könnenbeide für uns große Erlebniffe, vielleicht die größten, fein, aber beidemuffen pch nach ibren eigenften Gefe^en entwickeln und niemals üjreSchönheiten zu mengen trachten, denn damit geben beide auf, was fie pnd.
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Kulturbeftrebungen in der Gartenftadt.
Von Dr. Wolf Dohrn, Fjellerau.
Es gehört zu den unvermeidlichen öebelftänden unferer 3eit, von Kulturreden zu muffen. Man empfindet das Ungehörige — Kulturlofe
diefes 3 u P an des und fchreibt desbalb „Kultur". Ciefer Blickendenfreilich offenbart [ich in dem allzu häupgen Gebrauch diefes (Hortes einSymptom unferer Kultur. Sie ift wie keine frühere zu einer bewußten,gewollten Ängelegenbeit geworden, und vielleicht ift die Bewußtheit, mitder pe entfteht — „gemacht wird", ihr wichtigftes Ünterfcheidungsmerkmalgegenüber aller früheren Kultur. (Hie das (Xlirtfchaftsleben durch doppelteBuchführung, Rentabilitätsberechnung und Vertrag gegenüber der agrarischenund handwerksmäßigen Produktion früberer 3eit ßn zu einem berechnetenVorgang geworden ift, und ähnlich auch Natur- und Menfchenkräfte mittelsder Mafchüien errechenbar geworden pnd, fo wird auch die Kultur der3ukunft diefem Geift exakter Bewußtheit ihren Cribut zu zablen haben.Dabei ift es eine reine Doktorfrage, ob dies zum Nutzen oder Schadeneiner künftigen Kultur fein wird, — entfebeidend: daß es fo ift! Undes ift fo, weil Kultur doch in jedem Fall wirtschaftliche Exiftenzfähigkeit(nid)t Reichtum!) zur Vorausfetjung bat und diefe eben jetjt und in 3 u ^unftnur Ergebnis bewußter, berechneter Geftaltung fein kann.
Von diefem Standpunkt aus offenbart pch ein merkwürdig inniger,entwicklungsfäbiger 3ufammGnh)ang von „Gartenftadt und Kultur". Auch dieGartenftadt ift ein Symptom fortschreitender Bewußtheit des Volkskörpersin wirtfchaftlicher und geiftiger Beziehung, denn pe bedeutet, daß ein Ceildes Volkes die Ängelegenbeiten des ttlobnens felbft in die ßand nimmtund an Stelle eines rein febematifchen Kräftefpiels von Angebot und Nach-frage ein zweckvoll geftaltetes ttlirken diefer Kräfte fetjt. Dabei dringt pebis zu dem Qebelpunkt diefes Kräftefpiels vor: der Bodenfrage. Inwieweites der einzelnen Gründung gelingt, diefen Punkt wirklich zu faffen, ift eineFrage, die hier nicht hergehört, (nichtiger für den kulturpfychologifchen3ufammenbang geiftiger Beftrebungen mit der Gartenftadtidee ift der überallin Gartenftadtgründungen nachweisbare gemeinfame (Hille, in praktifcherBodenreformarbeit einen höheren fozialen Organismus zu febaffen. Sowird hier ein zunäcbft wirtfehaftlicbes Problem in das Kulturbewußtfein der
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