Druckschrift 
Die deutsche Gartenstadtbewegung : zusammenfassende Darstellung über den heutigen Stand der Bewegung
Seite
100
Einzelbild herunterladen
 

Kräfte bei der Arbeit, größere Gruppen von Qäufern, Straßen und Plänenzu einheitlich, bearbeiteten Gruppen zufammen zu fchließen, nicht des Stileswegen, fondern eben wegen der räumlichen und körperlichen (Ilirkung. (Xlirberühren uns in diefen Beftrebungen mit den beften Reiten der Vergangen -beit: mit Äegypten, Griechenland, der Renaiffance und dem 18. Jabr-bundert, die fämtlict) in der Bearbeitung von ganzen Straßen und Städte-bildern das vornebmfte3iel der Architektur erblickten. Die Gartenftadtbewegung,die an fich natürlich nichts mit Kunft zu tun bat, fondern wefentlich national-ökonomifche, bügienifcbe und foziale 3iele verfolgt, verfpricht der Architekturim obigen Sinne eine wichtige, vielleicht die wichtigfte Auftraggeber^ zuwerden, und von diefer Gelegenheit bangt natürlich für die bildende Kunft foviel wie alles ab. Die Gartenftadtbewegung erfaßt zum erften Male wiederfeit langer 3eit ganze Stadtgebilde als einbeitliches Problem. Sie entbindetdie Kunft damit von der fatalen flbbängigkeit bißorifcb gewordener Ver-bältniffe. Das unfäglkh verbängnisvolle Mißverftändnis, als muffe man inbiftorifch gewordenen Städten immer aufs Neue b'ftorifche 3°Pf e flechten,fpielt in der Gartenftadt keine Rolle, bier wird frifch aus modernen 3weckenberaus geftaltet, und kein noch f° pietätvoller Denkmalpfleger wird anfolcher Stelle die Beachtung antiquierter Konftruktionen und Stilregelnempfeblen wollen. Äußer der Gelegenbeit fcbenkt alfo die Gartenftadt-bewegung der Baukunft auch noch die Freiheit, deren fie zu Meifterfchöpfungenbedarf. [Deiche Grundfä^e nun bei dem Entwurf von Gartenftädten waltenfollen, ift eine zweite Frage. Ich meine, daß fie fich aus jedem Fall neuergeben follten; vermeiden follte man nur das eine, woran die modernedeutfche Art, Städte zu entwerfen, krankt, nämlich die willkürliche Ver-meidung der Regelmäßigkeit. Kunft ftrebt immer nach Ordnung, und ich febenicht ein, warum der Plan einer auf freiem und ebenem Gelände nacheinbeitlicbem Plan gebauten Gartenftadt nicht die Regelmäßigkeit Mannbeimsaufweifen follte. Es gibt genug (Xliderftände, die diefe ideelle Regelmäßigkeitverbindern, eine langweilende Gleichmäßigkeit zu werden. (Her das Streben nachOrdnung fo verftehJ, daß er unter gegebenen Bedingungen die größteerreichbare Ordnung fchaffen möchte, wird nicht Gefabr laufen, das Quadratmit der Ordnung zu verwechfeln und in der Praxis zu mißbrauchen. Vongrößter (Xlichtigkeit aber fcheint mir auch der Geficbtspunkt zu fein, daß mander Gartenftadt nicht nur Einbeitlkhkeit verleibt, fondern auch Grenzen fetjt.Die unendliche äßhetifche Ueberlegenbeit alter Städte berubte auf der Cat-fache, daß fie in Mauern lagen, alfo irgendwo begannen und einen füblbarenGegenfaj} zur umgebenden Landfchaft bildeten. Nur wenige Städte anFlüffen und am Meere geben uns beute eine Begriff von den außer-ordentlichen Möglichkeiten, die in der Abgrenzung nach außen liegen,(üäbrend die Städte des Binnenlandes ins Uferlofe zerrinnen und eineEntftebungswüfte fie troftlos umgürtet, die man zumeift nur mit der Eifen-babn durchqueren mag, zeigen die ßafenftädte des Mittelmeers noch beuteden bezaubernden Kontakt mit der Landfcbaft, die dort das Meer ift, undjene berückenden Silbouetten, wie fie im Mittelalter keine Stadt des Binnen-landes entbebrte. Da im (Hefen der Gartenftadt auch ihre Begrenztbeit liegt,follte gerade fie als eine ibrer ftärkften, künftlerifchen Möglichkeiten be-griffen und durchgebildet werden. Es muffen fich gerade aus diefem Ge-danken Forderungen ergeben, die vielleicht mit manchen anderen in derBewegung zu kollidieren fcbeinen. In (Xlirklkhkeit wird man aber bald dieallgemeinen und auch praktifcben Vorzüge einer möglichft dichten Gruppierungder Fjäufer innerbalb des Bebauungsgebietes erkennen. Es ift eineForderung vor allem der Oekonomie, daß man das Straßennetz nicht weiter

100