EINLEITUNG.
Die vorliegende Arbeit über Dürers Rosenkranzfest, jenesvom Meister im Sommer 1506 zu Venedig für die Kirche desMg. Apostelmärtyrers Bartholomäus daselbst gemalte Altarbild,das heule, mehr genannt als bekannt, im Besitze des Prä-monslralensersüftes Strabow in Prag ein verborgenes Lebenführt, ist im wesentlichen geschichtlicher Art. Ich glaubemit gewisser Notwendigkeil. Denn über die Stellung, welchedieses einzigartige, von dem Meister auf fremdem Boden undunter den gewaltigen Eindrücken des ihn umbrandenden Kunst-und Kulturlebens der farbenfrohen Lagunenstadt geschaffeneAltargemälde im Gesamtwerk des großen Nürnbergers einnimmt,hat die kunstgeschichtliche Forschung im engeren Sinne wohl ihrendgültiges Urteil seit lüngerer Zeit gesprochen, dagegen seheinennoch eine Reihe geschichtlicher Fragen, die sicli vor dieserDürerschen Schöpfung aufdrängen, einer erneuten Untersuchungund Klärung zu bedürfen.
Man nennt das Werk eine Stiftung der deutschen Kauf-mannschaft zu Venedig. Da drängt sich die Frage auf: sinddie führenden Männer dieser Vereinigung nicht näher bestimm-bar? Stehen sie nicht in einem besondern Verhältnis zu Dürersprächtiger Schöpfung? Hat dieses engere Verhältnis nicht auchauf dem Bilde Leben und Ausdruck gewonnen? Eine sehr alteund bisher auf die verschiedenste Art gelöste Frage ist end-