der Frau nichts finden, was über einen reichen, gut bürger-lichen Zuschnitt hinausgeht. Im Gegenteil: die mit einer ge-wissen, man möchte sagen, naiven Aufdringlichkeit zur Schaugestellten Ketten mit den Namensinitialen um Hals und Taillemachen einen recht bürgerlichen und ganz und gar nicht ari-stokratischen oder gar genialischen Eindruck. Dazu paßt dochauch der Ausdruck des gewiß gutmütigen und schlichten, aberdabei doch herzlich hausbackenen und spießbürgerlichen Ge-sichts. Wie Dürer, um zunächst bei diesem Namen zu bleiben,,den angeborenen und gepflegten Charme eines vornehmen Ge-sichtes wiederzugeben weiß, zeigt die entzückende Zeichnungeiner liebreizenden, jungen Frau vom Jahre 1525 (L. 172), dasBildnis einer angeblichen Prinzessin von Brandenburg, die einHündchen auf dem Schoß hält" (vgl. unsere Abbildung). Fried-länder selbst ist ja geneigt, seine Taufe des Berliner «Cranach»auf eine sächsische Prinzessin preiszugeben. Zu unsererVermutung, daß hier die Nürnbergerin BarbaraSeh edel dargestellt sei, würden die Namens-initialen an Hals- und Gürtelkette vortrefflichpassen 7 . Was dann endlich den Meister dieses Bildes be-trifft, so hat Friedländer eigentlich selbst am schönsten gesagt,was für Dürer spricht: die Größe und Vornehmheit der Auf-fassung, die von Cranachs gezierter und kleinlicher Manier ab-weicht und der schlichten Frauengestalt etwas Heroisches ver-leiht 8 , die plastische und doch malerisch-weiche Herausarbeitung
6 Die Bezeichnung, die Jaro Springer, 50 Bildniszeichnungen vonAlb. Dürer, Nr. 43, gibt, „vielleicht Margarete von Brandenburg", istsicher falsch. Margarete ist schon 1483 geboren. Eher könnte man anderen Schwester, Prinzessin Barbara, geboren 1495, denken. Sie ver-mählte sich 1526 mit Landgraf Georg von Leuchtenberg.
7 Weniger wahrscheinlich ist es, daß wir die Initialen auf den Namendes Ehemannes B[astian] S[chedel] zu deuten haben. Die AbkürzungBastian für Sebastian ist in Nürnberg allerdings nicht selten. Sie würdehier, falls der Name des Ehemannes wirklich gemeint sein sollte, wegen desdoppeligen S-Anlautes in Vor- und Familiennamen besonders naheliegen.
8 Sehr gut dienen zum Vergleiche die von Friedländer a. a. O.,.S. 57, abgebildete „Lucretia" Cranachs oder auch das „Parisurteil" S. 68.
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