•der Formen, die verhaltene Kraft; man nehme dazu die vor-zügliche Behandlung und Charakterisierung des Stofflichen, dieSorgfalt in der Ausführung, so haben wir ein kleines, Dürerswohl würdiges Meisterstück vor uns.
Barbara Schedel war die zweite Tochter des im Jahre 1514verstorbenen Nürnberger Ratsherrn und Baumeisters SeitzPfintzing und der Barbara Grundherr, geboren 1492, vermähltam 27. August 1515 mit Sebastian Schedel, Sohn Dr. Hart-mann Schedels, des bekannten Humanisten und Büchersamm-lers. Sie war also eine jüngere Schwester jener Anna Pfintzing,mit welcher sich der kaiserliche Sekretär, kurerzbischöflichMainzische Kanzler und Sekretär des Reichsregiments Dr. SixtusOelhafen am 16. Februar 1501 in Gegenwart des KurfürstenFriedrich des Weisen von Sachsen und anderer Fürstlichkeitenvermählt hatte; die Hochzeit hatte der Kurfürst von Mainzseinem Kanzler selbst ausgerichtet. Bekanntlich wurde auchdieser Dr. Sixtus Oelhafen 1503 von Dürer gemalt; das Origi-nal ist verloren und nur Kopien erhalten. Ein Bruder dieserAnna und also auch unserer Barbara war der bekannte Ver-fasser bzw. letzte Ueberarbeiter 11 des Teuerdank, Dr. MelchiorPfintzing, Propst bei St. Sebald in Nürnberg, ein anderer Bru-der, Ulrich, war kaiserlicher Pfenningmeister und Abt von St.Paul in Kärnten. Barbara war bei ihrer Verheiratung 23 JahreaJt, ihr Ehemann, wenn wir den Angaben trauen dürfen, zweiJahre jünger. Nach unserem Bilde, das sie im Alter von 32Jahren darstellt, dürfte man sie kaum als eine Schönheit be-zeichnen können. Wir besitzen noch eine zweite, fast gleich-zeitige, d. h. nur um ein Jahr jüngeres Bildnis, eine Schau-münze des Schedeischen Ehepaares von der Hand des HansSchwarz, jenes bekannten, vielgewanderten Augsburger Me-dailleurs, der auch eine Reihe anderer Pfintzingschen Porträt-
9 Die eigentlichen Verfasser waren der Kaiser selbst, und dessenSekretär Marx Treitzsaurwein.
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