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vielleicht schon stark nachgedunkelten oder unansehnlich ge-wordenen Originals, möglicherweise auch schon auf Verseheneines Kopisten, beruhen. Auf dem Stich ist das Gesicht derFrau stärker im Profil genommen, der Kopf ist mehr gehoben,sodaß der Hals freier hervortritt; die Halskette mag stimmen,wenn man von den Buchstaben absieht, doch zeigt der Sticheinen Anhänger, der auf dem Bilde fehlt; auch weist der er-stere zwei in das Brustmieder verlaufende Ketten auf, die dasBild nicht kennt; das mag auf einem Mißverständnis der Vor-lage beruhen. Gemeinsam sind beiden die ernsten Gesichts-züge der jungen Frau; sie neigen beim Bilde mehr zu stiller,gehaltener Trauer, auf dem Stiche mehr zu mürrischer Zurück-haltung; doch ist dein Stecher liier sicherlich Manches miß-lungen, auch die starren Augen mögen ganz auf die Rechnungseiner Ungeschicklichkeit kommen.
Es sollen nun zunächst die wertvollen Ausführungen, mitwelchen Friedländer seine Wiedergabe des «Cranach»' beiSeidel begleitet, folgen, da sie das Problem der Entstehungs-zeit und der künstlerischen Urheberschaft gut beleuchten: .Dasälteste Werk Cranachs, das wir reproduzieren, das Hüftbildeiner Frau, wird noch nicht lange unter seinem Namen gezeigt,galt ehemals vielmehr als Arbeit Dürers. Der bekanntenSignatur entbehrt die Tafel, wie viele seiner früheren Schöp-fungen. 1509 erhielt Cranach von seinem Fürsten den Wappen-brief und erst seit dieser Zeit gewöhnte er sich daran, seinenArbeiten und denen seiner Werkstatt das berühmte Zeichen dergeflügelten Schlange hinzuzufügen. Der populären Anschauungmag dieses Frauenbildnis nicht gerade charakteristisch für denMeister erscheinen.»
«Erst seit kurzem schenkt die Kunstforschung den Cra-nachschen Anfängen gebührende Aufmerksamkeit, mit dem Er-folge, daß sie eben in den ersten Gestaltungen die persön-liche Art des Meisters in voller Kraft und Frische am offen-barsten findet und hier Vorzüge aufdeckt, die von den tähmen-
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