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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
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14. KAP. Japanische Gartenkunst im Verhältnis zur chinesischen 345

Außer den Allerärmsten hat jeder Chinese sein Familiengrab, das ihm heilig ist, unddessen Baumumgebung zum Park angewachsen ist. In dem dicht angebauten Lande,in dem sonst jeder Fuß breit für die Kultur ausgenutzt ist, sind diese heiligen Hainemeist die einzigen Baumbestände.

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JAPAN

APANS Kultur ist im Verhältnis zu der chinesischen eine junge, ja es bekennt sichuneingeschränkt auf allen Gebieten zu der Schülerschaft Chinas. Schon die Tatsache,daß die Japaner erst durch die chinesische Kultur, die im V. Jahrhundert n. Chr. seitder Annahme der buddhistischen Religion mit überraschender Schnelligkeit nach Japanhinüberflutete, auch den Begriff einer Literatur empfingen, zeigt dieses Verhältnis klar.Ihre eigenen Schriftsteller, die im VIII. Jahrhundert sich eine Schriftsprache bildenmußten, nahmen die Silbenschrift der Chinesen an, um damit die eigene Sprache phone-tisch niederzuschreiben. Die erstaunliche Aufnahmefähigkeit und der zielbewußte Fleißdieses Volkes, das vor unser aller Augen in einem Menschenalter sich die Resultate derwestlichen Kulturen einverleibt hat, zeigte sich schon, als es damals die Chinesen zu Lehr-meistern erwählte. So sehr man allerdings auf dem Gebiete der Kunst die Eigenart derjapanischen Entwicklung zugeben mag, auf den meisten Gebieten muß sie doch als einbloßer Ableger des großen chinesischen Baumes angesehen werden, wenn dieser auch zuselbständiger Kraft erwachsen ist. Am meisten gilt dies wohl von der Malerei und unserer,ihr aufs innigste verwandten Gartenkunst. Während aber China trotz der so auffallendenKontinuität und Lebenskraft seiner künstlerischen Kultur dem Forscher nicht nur inihrer Wurzel, sondern auch in ihrem ganzen Verlauf Rätsel über Rätsel aufgibt, hat Japanalle Karten aufgedeckt und den Wißbegierigen bis in die letzten Phasen seiner geistigenKultur hineinschauen lassen. Heute ist japanische Gartenkunst in Europa bekanntund bewundert, nachgeahmt und durchforscht wie wenige sonst. Es ist dies nichtnur eine Folge des unbeschränkten Verkehrs zwischen den Nationen, des nicht zuunterschätzenden Vorteils, daß Japaner auch europäische Gärten angeschaut undsich selbst über den Stilunterschied ausgesprochen haben, sondern in erster Linie dergroßen theoretischen Begabung des japanischen Volkes. Ihr ganzes Leben, Denkenund Tun haben sie zu allen Zeiten ihrer Entwicklung selbst regulativ begleitet, jader größte Teil ihrer Literatur spricht sich in Werken aus, die einen lehrhaft ordnendenInhalt haben.

Viele der Volkseigenschaften, die den Japaner einer Gartenkunst sehr geneigtmachen, teilt er freilich mit den Chinesen, ja vielleicht mit dem größten Teile derAsiaten überhaupt; doch gleich hier sind wir besonders gut unterrichtet, wie sich dieNatur- und Gartenliebe der Japaner ausspricht. Sie ist nicht ein ästhetischer Vor-zug der aristokratischen Kaste, was bei diesem aristokratischen Volke, das lange Zeitalles, was es Kultur nannte, ganz ausschließlich auf diese beschränkte, besonders be-tont werden muß. Nein, die Freude an der blühenden Natur äußert sich in großenVolksfesten, und bei diesem Volke der Feste stehen die Blumenfeste obenan. Eswar ein glücklicher Umstand in der alten japanischen Kultur, daß ihr Kalender mitseiner Einteilung des Mondjahres den Neujahrstag in den Februar fallen ließ, so daßdieser Neujahrstag und Neujahrsmond sich zu einem Willkommenfest für den Frühling