16. KAP.
Deutsche Architektengärten
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Praktiker und als Theoretiker. An erster Stelle steht hier Muthesius, der durch seinenAufenthalt in England und seine eingehenden Studien der englischen profanen Bau-kunst unmittelbar und stark von der englischen Bewegung erfaßt wurde. In einemWandervortrag, den dieser Architekt 1904 in Dresden und Breslau über das englischeHaus hielt, hat er mit ganz ähnlichen, oft gleichen Gründen wie Blomfield den Land-schaftsgarten, dessen Herrschaft er noch unbeirrt in Deutschland sah, angegriffen.Muthesius aber hatte den großen Vorteil, in England schon einen ziemlich durch-gebildeten Stil vor Augen zu haben, den er seinen Hörern als Vorbild hinstellenkonnte. Sehr charakteristisch für die ganze Richtung der deutschen Bewegung ist dieDefinition, die er von dem heutigen englischen Garten gibt. ,,Der heutige Gartenbildet dort eine Aneinanderreihung von regelmäßigen Einzelteilen, die sich etwa mitdem Grundrisse eines Hauses vergleichen läßt, nur daß die Räume (Terrasse, Blumen-ziergarten, Rasenplatz, Küchengarten mit Gewächshäusern) oben offen sind. Bei großerMannigfaltigkeit im einzelnen ist immer im wesentlichen die regelmäßig geschlosseneForm, die wagerechte Gestaltung jedes Einzelteiles und die sichtbare Abgrenzungder Teile voneinander beibehalten" 42 . Raumkunst im Freien sollte bald das Schlag-wort für diese modernen Gärten werden. Auch Muthesius sieht also das Über-einstimmende des Gartens mit dem Hause nicht sowohl darin, daß wie in der Re-naissancezeit die äußerlich sichtbaren Linien des Hauses, seine Vertikalen und Hori-zontalen, der plastische und ornamentale Schmuck, durch den sie betont werden,sich in einem Prunkgarten wiederholen und auf solche Weise die Architektur sich indas Freie hinausschiebt, sondern die Innenräume, „das Bewohnbare" des Hauses, sollsich möglichst in idealem Grundriß wiederholen. Auch in der inneren Ausstattung, denGartenmöbeln, den Bänken, den umrahmenden Hecken oder Pergolen, den Wandel-gängen lehnt sich der Garten an die innere Einrichtung des Hauses an. Ähnliche For-derungen hat einst der griechisch-römische Hofgarten auf seine Weise erfüllt. Etwa zugleicher Zeit erschien Schultze-Naumburgs Buch „Gärten" als zweiter Band seiner„Kulturarbeiten" 43 . Aus der Schule von Avenarius und Liehtwark hervorgegangen, mitdenen Schultze-Naumburg von Anfang an zusammengearbeitet hat, zeigt dieses Buchmit aller Deutlichkeit, wie das Absehen dieser Männer auf den kleinen Hausgarten ge-richtet war. Es gilt als ausgesprochenes Ziel, die regelmäßige Raumgestaltung desGartens zu einer zweckmäßigen, ästhetisch gereinigten Kunst zu erheben. Dies suchtder Verfasser auf pädagogischem Wege durch Gegenüberstellung des Zweckmäßig-Schönen und des Unzweckmäßig-Häßlichen zu erreichen.
Lange wandte sich die ganze Zunft der Landschaftsgärtner geschlossen gegen dieEindringlinge in ihr Bereich. Durchblättern wir die „Zeitschrift für bildende Garten-kunst", so liegt uns hier eine merkwürdig sprunghafte Entwicklung bei den Hauptbe-teiligten, den Landschaftsgärtnern, klar vor Augen 44 . Im Jahre 1887 versammeltensich zuerst „Gartenkünstler der Lenne-Meyerschen Schule", und zwar gleich mit einerbestimmten Abwehr gegen den feindlichen Architekten „mit dem Herzen voller Steine,einem Sinn, der nur auf mathematischen Formeln weilt, und einem Geist, der allesnur nach streng vorgezeichneten Gesetzen schafft" 45 . Und im nächsten Jahr sieht einerihrer Vertreter mit stets wachsender Besorgnis, „daß die leidige Heckenschere in voll-kommenster Gedankenlosigkeit dessen, was sie mit ihrer zerstörenden Maulwurfs-arbeit anrichtet, sich stets weitere Kreise erobert.....ohne jede Rücksicht der Grund-