4io
Muskau
15. KAP.
schattenden Bäume nur die Ecken der Beete betonten und dem Garten die Sonne nichtnahmen, Massen von Blumen. Im Hintergrunde bildet ein Laubengang, der von einemGartenhause zum anderen führt, dem nachdenklich Wandelnden einen verschwiegenen,vom Hause verdeckten Spaziergang.'
Solche Gegnerstimmen verhallten einstweilen, besonders in Deutschland, vollkom-men ; noch fanden die Führer und Förderer der Gartenkunst Fehler und Ungeschmackimmer nur in dieser oder jener individuellen Ausführung, nicht im Stile selbst, begründet.Das ganze XIX. Jahrhundert mußte erst noch das Maß der Sünden voll machen, umdie Grundlagen selbst ins Wanken zu bringen.
In Deutschland erschien in den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts ein neuer be-geisterter Prophet des Landschaftsgartens in dem jungen, schönen und feurigen FürstenPückler. Seine Persönlichkeit war überall das Medium, durch das er seine Ideen undWünsche zur Wirkung brachte, so daß auch das Werk, auf das er am meisten stolz seinwollte, der Park von Muskau, ihn selbst handelnd und schaffend keinen Augenblick ver-gessen läßt. Er übernahm seine Standesherrschaft Muskau in einem ziemlich verwahrlostenZustande, das alte Schloß mit wenigen Parkanlagen, den unscheinbaren Ort mit seinenwarmen Quellen, einige kieferbestandene Felder und viel Sumpf. Sofort entstand in sei-nem Geiste der Entschluß, hier ein Werk zu schaffen, das die vielbewunderten englischenMusterbeispiele übertreffen sollte (Abb. 605 a u. b). In seinen „Andeutungen über dieLandschaftsgärtnerei", die 1834 publiziert wurden, hält er das Ideal, ein ganzes Besitztumohne besondere Abgrenzung in eine verschönte Landschaft umzuwandeln, ohne der Öko-nomie zu nahe zu treten, für „leichter und oft mit geringeren Kosten zu bewerkstelligen,als man gewöhnlich annimmt" 52 . Pückler selbst bot freilich kein gutes Beispiel dafür,da er sein großes Vermögen in diese Anlagen hineinsteckte und sich selbst daran banke-rott machte. Das Werk aber, das er geschaffen und das heute, von pietätvollen Händengepflegt, im ganzen erhalten ist, ist nach dieser Richtung hin ein Meisterwerk. Das ganzegroße Gebiet des Neißetales mit seinen angrenzenden Höhen, den freundlich gebautenBade-ort einschließend, ist von ihm in wenigen Jahrzehnten in einen großen Park verwandeltworden. Gleich in den ersten Anfängen ließ der Fürst den Landschaftsmaler Schirmer nachseinen Angaben Veduten malen, wie er im Geiste den werdenden Park sah, die ihm dannweiter als Vorlageblätter dienten. Er hatte darin ein Vorbild an dem Grafen Girardin,Rousseaus Freund, der auch Ermenonville nach solchen von ihm bestimmten Bildernerst malen, dann anlegen ließ. Um seiner Anlage den fatalen öden Anblick junger Pflan-zungen zu nehmen, ließ Pückler mit viel Erfolg große, ausgewachsene Bäume mit ihremErdreich verpflanzen. Und doch versichern die heutigen Gärtner, daß der alte Park erstjetzt ganz dem mit der Seele geschauten Bilde, mit dem der Fürst den Maler inspirierte,gleiche. Die Bedeutung dieser Bilder, die in der langen Folge einer stundenlangen Spazier-fahrt in immer neuer Gruppierung sich vor dem Auge entfalten, liegt durchweg in der durch-gedachten Gruppierung von Einzelbäumen, die Pückler besonders geliebt hat, Buchen-gruppen und Waldrand mit Wiesenplan und Wasser. Es ist überraschend, wie hier durchFarbe und Licht, „wo immer der Phantasie noch etwas zu raten übrigbleibt", Abwechs-lung geboten wird. Pückler verschmäht die Mitwirkung der Gebäude durchaus nicht,neben dem Schlosse, den Türmen des Städtchens, fehlen auch ein paar Tempel, eineGruftkirche, eine Burgruine, einige ländliche Häuser in der weiteren Umgebung nicht,aber sie sind doch nur Belebung des Bildes, nicht mehr aufdringliche Stimmungsförderer.