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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
Entstehung
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Wörlitz

15. KAP.

Hauptaussichtsplätze ausersehen, von denen sich immer wieder ein neues Bild mit einemBauwerke als Mittelpunkt zusammenschließt. Die Abwechslung der ganzen Anlage wirdnoch dadurch erhöht, daß in den weiteren Teilen große Wiesen, ja Kornfelder mit hinein-bezogen sind, und der Park allmählich in die Kultur des Gutes übergeht. Merkwürdiger-weise trifft man gerade in den abgelegenen, sogenannten neuen Anlagen den wunderlichstenBau des ganzen Parkes, der den Tribut an den phantastischen, nur zu leicht in spiele-rische Kleinlichkeit ausartenden Geist der Zeit zahlt. Es ist der sogenannte feuerspeiendeBerg, vom Prince de Ligne Vulkan genannt, der von außen eine verzweifelte Ähnlich-keit mit einem Backofen hat, in seinem Innern als Tempel der Nacht eingerichtet ist,

Abb. 596

Wörlitz, Blick

auf das

gotische Haus

Nach Rhode

mit Lichteffekten, die durch bunte Glasscheiben hervorgebracht werden, was heutewohl selbst bei Kindern nicht mehr die erwünschte Wirkung hervorbringen wird. DieMenschen jener Zeit aber erbauten sich aufs höchste an solchen Spielereien, nichtsist in diesem Garten, was die Besucher so begeistert. Der Prince de Ligne schildertauch in Schloß Schönau eine ähnliche Grotte, über die ein Wasserfall stürzt, inderen Innerem man mit Fackeln tiefsinnige Inschriften und Embleme enträtseln muß,bis man zum Sitze der verschleierten Göttin der Nacht gelangt; neben der auf einemWagen thronenden Göttin steht ein dreieckiges Tischchen, auf demder Vogel Miner-vens das Fremdenbuch hält". Das ganze und auch heute noch in sich bedeutendeBild dieses Parkes wird aber durch solche kleine Zeitspielereien nicht beeinträchtigt, unddie glückliche Benutzung des Sees konnte auch schon den jungen Anlagen, als sieGoethe in den ersten Weimarer Jahren besuchte und studierte, eine besondere Schön-heit verleihen.