3 66
Gärten im Übergangsstil
15. KAP.
Abb. 580
Gartenplan im
Übergangsstil
mit sogen.
englischen
Parterre
Gezeichnet von iPanseron
hat — dies ist in früheren Kapiteln zur Genüge dargelegt worden — zwar zu den altenStilgesetzen keine wesentlich neuen Gedanken mehr hinzugebracht, doch war er keines-wegs starr geworden. Er wußte sich den Bedürfnissen seines Jahrhunderts, besondersden eigenartigen deutschen Herrschaftsbedingungen, glücklich anzupassen. Ja, er wardehnbar genug, in sein Bild zuletzt auch allerlei Einflüsse des malerischen Gartensaufzunehmen, wie z. B. die Schlangenlinie, soweit auch sie sein Bedürfnis nach varietebefriedigten und die festen unumstößlichen Grundlinien seines Stiles nicht zu sprengendrohten. Seltsame Irrungen und Mißverständnisse laufen den französischen Architekten
,_____ ___ __ r,;■-,,,..-;.-.",., wohl unter, so wenn ein Entwurf
ein Parterre anglais vor das Schloßlegt, um weiter die Bosketts re-gelmäßig zu zeichnen (Abb. 580).So können wir von einem Über-gangsstile sprechen (Abb. 581);etwa in der Art, wie in demgroßen Kampfe zwischen romani-schem und gotischem Baustil dererstere seinen höchst reizvollenÜbergangsstil sich geschaffen hat,um schließlich doch der großengotischen Revolution zu weichen.In der Gartenkunst warf diesesiegende Revolution die Grund-sätze und Pfeiler des alten Stilesso über den Haufen, daß vonAnbeginn der Sieg niemals durchÜbergang und Konzession deseinen an den andern hätte er-reicht werden können, sondernnur durch ein vollständiges Zer-stören des alten.
Wie nun aber steht es mitdem Einfluß Chinas auf denneuen Gartenstil, dessen Zusammengehörigkeit mit dem ostasiatischen, sobald essich um den gemeinsamen Gegner, den architektonischen Garten, handelt, so klarauf der Hand liegt? Wir haben gesehen, daß die Kunde von einem neuen unregel-mäßigen Gartenstil schjn 1685 nach Europa gelaugt war, so daß Sir WilliamTemples tastende Blicke sich nicht ohne Sympathie auf China richteten, sich aberdoch sofort wieder abwendeten, als von einer Aufgabe, die zwar nicht ohneLockung, aber doch viel zu schwer sei. Und Sir William hatte vollkommen recht;niemals hätte sich auf diesem Wege einer vagen Nachahmung der Kunst eineswesensfremden Volkes ein wirklich lebendiger Stil entwickeln können; es wäreein Zwitter geblieben, wie die vielen anderen chinesischen Nachahmungen aufdem Gebiete der Architektur und des Kunstgewerbes. Die Revolution gegen denalten Garten hat aus den chinesischen Nachrichten in ihrem ersten Stadium