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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
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15. KAP.

Chinamode im französischen Garten

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IR sind auf dem Wege der Entwicklung der europäischen Garten-kunst dem Einfluß Chinas schon öfters begegnet, aber dieserEinfluß ließ im Beginn das Wesen des Gartenstils völlig unbe-rührt. Er bezog sich nur auf die Kunst im Garten, den Garten-schmuck. Seit Ludwig XIV. sein Porzellan-Trianon erbaut hatte,war das Zeichen gegeben, chinesische Gebäude aller Art im Gartenzu errichten, welche nach der wechselnden Kenntnis der chinesi-schen Architektur immer einzelne auffallende Züge der fremdenBaukunst aufnahmen, die man aber sorglos mit den bekannten einheimischen Bau-gliedern verband. In jenen frühen Porzellanpavillons fühlte man sich schon an das Welt-wunder, den Porzellanturm von Nanking, erinnert, wenn man nur die Außenwände einesBarockpavillons mit holländischen Fayenceplatten belegte und Vasen von gleicher Farbein dem Garten davor aufstellte. Später waren es vor allem die geschweiften Dächer, dieman, wie in Pillnitz, mit gutem Gewissen auf einen barocken Unterbau setzte 1 . Dazu ka-men dann chinesische Sonnenschirme, später auch chinesische Brücken, die alle vereinzeltmit der echten chinesischen Kunst zwar wenig zu tun hatten, die Europäer des XVIII.Jahrhunderts aber immer wieder an das bewunderte Land des Ostens erinnerten. DieLust an solchen chinesischen Anlagen in den Parks des XVIII. Jahrhunderts wurde soallgemein, daß man von den größeren französischen und deutschen Gärten dieser Zeitwohl kaum einen nennen könnte, der nicht mindestens einen chinesischen Pavillon be-saß. Oft aber, wie in dem schwedischen Lustschloß Drottningholm, in Wilhelmshöhe beiCassel u. a., sehen wir ganze chinesische Dörfchen angelegt oder auch, wie in dem Rheins-berg Friedrichs des Großen, neben dem chinesischen Lusthause eine chinesische Fischer-hütte und einen chinesischen Geflügelhof 2 . Es ist schwer zu sagen, ob die Nachrichtenvon der Fülle der Gebäude in den chinesischen Gärten wirklich unmittelbar auf die im-mer wachsende Zahl der Bauten in den Parks dieser Zeit Einfluß geübt haben. Jedenfallshatte der zu allen Zeiten rege Wunsch, im Garten sich besondere, kleine, intime Gebäudezu schaffen, im XVIII. Jahrhundert eine alles Maß übersteigende Stärke gewonnen.Der Hauptgrund aber muß in dem Geiste dieser Zeit gesucht werden, der gegen diepomphafte Öffentlichkeit des Lebens im Zeitalter Ludwigs XIV. in intimen, kleinenKreisen, in denen sich mehr und mehr eine Sehnsucht nach Einsamkeit bemerkbarmachte, Befriedigung und Überwindung der Langeweile suchte. Daß diese Langeweiletrotzdem überall im Hintergrunde lauerte, beweist, daß das Bedürfnis nach varieteeher noch gewachsen war, daß man es aber jetzt nicht mehr in dem Glänze ge-schmückter Bosketts, sondern in der Separatanlage solcher Einzelpavillons und Neben-schlößchen zu befriedigen suchte. China war aber hier doch nur eine begierig ergriffenevariete mehr, denn man holte sich alle Stilarten, je mehr, desto besser, herbei.

Diese Neigung zur Anhäufung von Nebengebäuden im Park hat also an sich mitder großen Stilumwälzung der Gartenkunst, an deren Schwelle wir jetzt stehen, nichtszu tun. Wir finden sie im XVIII. Jahrhundert gleichmäßig in beiden Gartenstilen.Man kann auch nicht einmal sagen, daß der malerische Garten sie von dem architek-tonischen übernommen habe; es ist eine Parallelentwicklung, die in beiden mit gleicherStärke auftritt, wenn sie auch, wie wir sehen werden, in beiden anders begründet wurde.Der regelmäßige architektonische Garten, der, außer in England, in Europa in derersten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts seine unumstrittene Herrschaft behauptete,