332
Nachahmung berühmter Landschaftc
14. KAP.
Abb. 557Hausgarten
Naturstein alsSessel
Ms.Brit.
Museum Phot.
Abb. 558
Garten mit
chinesischem
blauen Stein
als Tisch
Ms. Bvit.Museum Phot.
Diese suggestive Kraft der chine-sischen Kunst ermöglicht auch demchinesischen Gartenkünstler, denWunsch zu erfüllen, der eine Haupt-sache für den Gartenbesitzer war:eine Nachahmung berühmter Land-schaften des Reiches zu besitzen.Eine große Vorliebe hatte man fürden Hsi-hu-See; um dessen Schön-heit im Geiste zu genießen, brauchteman aber kaum mehr als einen Seemit einer oder zwei Inseln, auf denenPavillons stehen, die durch Brückenmiteinander verbunden sind, amGestade Berge, auch mit Gebäudengekrönt. Eine oder die andere Ge-steinsart, die der Gegend besonderseigen, eine oder die andere Pflanze,die die Erinnerung besonders leb-haft wachruft, vor allem aber die Seerosen, mit denen der Hsi-hu-See so reich be-deckt ist (Abb. 559), genügen vollkommen, damit nun vor den Augen des Beschauersvon der Veranda des Hauses oder einem bestimmten Pavillon das ganze teure Bildder schönen Landschaft entstehen konnte. Der Künstler behielt im übrigen völligfreie Hand, das Bild in Haupt- und Nebenmassen, je nach der Beleuchtung, je nachdem Sinn, den es ausdrücken will, mit seinen Mitteln zu gestalten. Neben der Nach-ahmung bestimmter Landschaften schuf man auch freie Bilder, die durch den
Namen den phantastischen odermystischen Sinn, der dem Bildnervorschwebte, ausdrücken sollten.„Der Garten der Tausend Schnee-stapfen" (Abb. 560) fand der fran-zösische Nachstecher auf seiner Vor-lage, die er sorgfältig wiedergab.Die Anordnung der künstlichen Hü-gel, der zahlreichen Pavillons, derZickzacktreppenwege, des Bachesmit Wasserfall und Brücken, derBäume und Steine schließt diesenSinn in ein klares Landschaftsbildein. Denn immer zwang und halfeine feste Tradition, die ganz genauvorschrieb, wie die drei Haupt-mittel des Ausdrucks: Berg undSteine, See und Bach, Pavillonund anderer Schmuck zu verteilen