13. KAP.
St. Georgen bei Bayreuth
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Verständnis, auf das neue Evangelium zu horchen. Die Umgestaltung des Parkes vonSanssouci, die nach 1763 zugleich mit dem Bau des Neuen Palais vorgenommen wurde,ist ein wahres Musterbeispiel dieser etwas unbehaglichen Stimmung des Kompromisses.Das, was den Schöpfern dieser Übergangsgärten am stärksten eingeleuchtet hat, war dasDogma der geschwungenen Schönheitslinie. Wir trafen das schon in verschiedenenanderen Gärten, meist aber nur in kleinen Bosketts, mehr und minder noch dem Zwangeder Symmetrie unterworfen. Hier aber löste man die Wege rechts und links von derglücklicherweise nicht angetasteten geraden Mittelachse in die kuriosesten Schlangen-linien auf, die aber, auf beiden Seiten von Hecken umrahmt, für den Wandelnden durch-aus den Eindruck eines unendlich langen Labyrinthes gemacht haben müßten, wennnicht von Zeit zu Zeit Plätze und Ausblicke auf die Wiesenlandschaft, die überall andas schmale Boskett, das die Wege begleitete, herantrat, sie unterbrochen hätten. Be-sonders um das chinesische Teehaus gebärden sich diese Schlangenwege ganz wild, sodaß hier vielleicht der Gedanke eines Labyrinthes wirklich zugrunde lag. Wir werdennoch bei der Entwicklung der Grundgedanken des englischen Stiles auf das völlige Miß-verständnis dieses Parks zurückkommen. Die Abschlußmauern nach dem Sanssouci-garten fielen damals, der Übergang in die regelmäßigen Anlagen war hier so unvermitteltund abrupt, wie nach der andern Seite zu denen der Umgebung des Neuen Palais, die wie-der regelmäßig, aber zugleich frostig und steif ausfielen; der regelmäßige Stil hatte hierkeine Zeugungskraft mehr. Es ist gewiß nicht zu bedauern, daß schon die allernächsteZeit diesem Parke ein ganz modernes Gepräge gab. Wären dafür nur die Lustgärten vonSanssouci, namentlich das große Parterre, in ihrer alten Gestalt geblieben! Aber hierist es gerade umgekehrt. Weil man mit einem neuen Geschmack zu einem Kompromißanderer Art schritt, so hat man durch waldartige Partien am Fuße der Terrassen denschönsten Eindruck der friderizianischen Anlage verdorben. Doch auch heute nochkönnen wir mit Freude und Genuß diese Schöpfung des Königs, die zu seinen liebstenFriedensarbeiten gehörte, leicht aus den fremden Zutaten herausheben. Friedrich hattehier an der Schwelle eines neuen Kunstempfindens ein Werk geschaffen, das so sehrsein eigenstes Wollen kundgab, daß es schwer wird, von einem bestimmten Einfluß zusprechen und zu scheiden, was er Frankreich oder Italien verdankt. Wir dürfen es alsden Ausdruck seiner Persönlichkeit hinnehmen.
Die Kinder der Königin Sophie Dorothea waren alle große Gartenfreunde. Von denSchwestern des großen Preußenkönigs werden wir Luise Ulrike noch in ihrem Wirkenin Schweden antreffen. Die Lieblingsschwester, die Markgräfin von Bayreuth, ihremBruder in manchen Stücken am ähnlichsten, sagt von sich selbst, daß sie ihr LustschloßEremitage so habe verschönern lassen, „daß es jetzt einer der schönsten Orte in Deutsch-land" sei 65 . Wilhelmine hatte in eine baulustige Familie geheiratet 653 . Schon vom Be-ginne des XVIII. Jahrhunderts hatten die Vorgänger ihres Gemahls ein Lustschloß nachdem andern um die Residenz Bayreuth herum gebaut. In dem reizvollen St. Georgen(Abb. 516) war auf einem kleinen See um eine kreisrunde, mit Gartenbeeten und Spring-brunnen gezierte Insel eine ähnliche spielerische Flottenbefestigung wie in Moritzburgangelegt. Von dem anmutigen Schlößchen, das ursprünglich in dreiteilig gelöster Bau-weise auf beiden Seiten von Parterres umgeben war, konnte der Markgraf den Wasser-kämpfen und Wettfahrten zuschauen; später war dann mit dem Bau eines größerenSchlosses auch eine rationell angelegte kleine Residenzstadt dahinter entstanden. Auch
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