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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
Entstehung
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Der Zwinger in Dresden

13. KAP.

größte Teil von ihnen ist, wenn nicht im XVII. Jahrhundert entstanden, so doch um-gebaut, und dem Schlosse entsprechend wurde dann ein Garten im Stile der Zeit an-gelegt, der besonders in der Art, wie die Kanäle als Teich oder Graben gestaltet wurden,noch starken Renaissancecharakter zeigt. Aber auch noch spät im XVIII. Jahr-hundert wußte man die Gärten solchen Wasserschlössern anzupassen. Man vergleichenur Pläne, wie die des alten und neuen Seerhausen 49 . Oder mehr noch die Gestalt, dieAugust dem alten Wasserschlosse seiner Ahnherrn, der Moritzburg bei Dresden, gab.Dies Schlößchen lag ursprünglich auf einer Landzunge in einem Teich. Der König ließnun den Teich nach einer Seite erweitern, so daß das Schloß auf einer Insel liegt, diedurch eine Brücke und einen Damm mit dem Ufer verbunden wurde, so daßwir an Chenonceaux gemahnt werden. Außer dem Ziergarten, der als niedere Terrassedas hochliegende Inselschloß umgab, dehnte sich am Ufer eine stolze, halbrund abschlie-ßende Anlage inmitten eines Netzes gradliniger Schneisen, die den Wald in regelmäßigeAbteilungen zerlegten 50 . Mit August zieht in Sachsen der Geist französischer Groß-zügigkeit und Großräumigkeit ein. Vor allem beschäftigte ihn der Gedanke an denBau eines neuen Residenzschlosses. Nach den Plänen, die sein Architekt Pöppelmannaufstellte, hätte es eines der großartigsten seiner Art werden sollen. Die Größe der An-lage läßt sich heute nur an der ursprünglichen Orangerie, die nach dem Platze denNamen Zwinger behielt, abmessen (Abb. 501). Sehr charakteristisch für die Zeit ist, daßman mit dem Bau der Orangerie anfing. Nur wenn man den Zwinger als solche auffaßt,kann man den Grundriß dieses Gebäudes verstehen. Schon im XVII. Jahrhundertwurden die Orangerien prächtiger und prächtiger gestaltet. Man benutzte sie be-sonders im Sommer, wenn die Bäume im Garten standen, gerne als bequeme, kühleGesellschaftsräume, später verband man mit dem Aufbewahrungsräume für die Bäumemeist einen glänzenden Festsaal und legte die Gewächshäuser halbkreisförmig zu beidenSeiten an, von dort zugänglich, um auch die Winterfeste hier feiern zu können. Ein gutesBeispiel dafür bietet die Abschlußorangerie in Schloß Gaibach (Abb. 474), wo sich andie halbrunden Gewächshäuser noch weiter halbrunde Berceaux anschließen. Bei derDekoration dieser Gebäude glaubte man die Phantasie ganz frei schwärmen lassen zukönnen. Schon Salomon de Caus hatte auf dem Entwurf des frühesten steinernenOrangenhauses für den Heidelberger Schloßgarten die Säulen mit Blumen und Blätternumkränzt. Alles in allem genommen darf man im Dresdner Zwinger den Höhepunktdieser Entwicklung sehen. Der Grundriß 51 zeigt eine Verdoppelung der halbrundenGewächshausgalerien, die seitlich noch durch gerade Flügel erweitert wurden. So wurdeein ungeheuerer Gartenhof von Galerien eingeschlossen, die von vier korrespondierendenmonumentalen Torpavillons (Plan A, R, K, L) unterbrochen werden. In die vier Eckenwurden Festräume eingebaut, auch diese dem Gesamtplane entsprechend, an Fülle undPracht nun nicht mehr zu übertreffen: ein großer Festsaal mit Vorraum (F), ein Theatermit Vorraum (E), ein Grottensaal (N) und ein Nymphäum mit Bädersaal (M, Q) fülltendiese Ecken aus. Der Baumeister hatte sich nach seinem Entwurf den ganzen Hof als einGartenparterre, mit Wasserbassins in der Mitte und Wasserkünsten an den Seiten, gedacht.Der Schmuck der damals ausgeführten Südseite zeigt mit seinen Brunnenstatuen und Bas-sins, daß ihm in der Ausgestaltung der Gedanke eines riesigen Nymphäums vorschwebte 52 .Im Sommer war dies Parterre noch mit den Schätzen der Gewächshäuser geschmückt. —Zu einem wirklichen Nymphäum im Renaissancesinne wurde aber der kleine Hof des