13. KAP.
Schloß Hof
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für andere Anlagen, die sich ringsum den Alserbach heraufzogen. Das schöne Belvederemit offener Säulenhalle, das den Liechtensteinschen Garten flußwärts abschloß, undvon wo man einst die herrliche Aussicht nach dem Kahlenberge genoß, ist samt dieserAussicht von der Großstadt verschlungen worden.
Wenn wir die Delsenbachschen und Kleinerschen Stiche durchblättern, die unsdas Bild dieser Wiener Gärten der ersten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts lebendigerhalten, so muß dem Beschauer der bestimmte, fest umrissene Typus dieser Gärtenins Auge fallen. Der Kanal spielt gar keine Rolle, statt seiner tritt das Wasser indie stark betonte Mittelachse als mehrfache Kaskade, bedingt durch eine Terrassen-entfaltung, die überall vorherrscht. Der Schmuck der Bosketts ist einfacher als derfranzösische Garten ihn verlangt. Alle diese Züge zeigen, daß auch in Wien damalsder bestimmende Einfluß nicht von Frankreich, sondern immer noch mehr vonItalien kommt, wenn auch dieser Grundton im einzelnen mannigfach französischenEinschlag zeigt. Die ganze politische Entwicklung des Landes begünstigte dieseErscheinung: nicht allein die heftige Animosität gegen den französischen Hof, mehrnoch die lange Verbindung mit Italien, wohin alle Hauptinteressen des Wiener Hofesneigten. War doch noch unter Maria Theresia alles geistige Leben in Kunst undLiteratur vollkommen italienisch gefärbt. Die größten Architekten dieser Zeit, Hilde-brand, Fischer von Erlach, die in den ersten Jahrzehnten des XVIII. JahrhundertsWien ein neues Gepräge gaben, hatten sich ganz mit italienischen Idealen erfüllt. Wohlhatte Prinz Eugen sich den französischen Gartenkünstler des bayrischen Hofes, Girard,verschrieben, um den Garten des Belvedere anzulegen. Um so merkwürdiger ist, zusehen, wie auch diesen Künstler der genius loci zwang, sich dem italienischen Ein-flüsse unterzuordnen. Man vergleiche nur sein Werk in Nymphenburg mit dem Bel-vedere. In beiden ist das Wasser als Rückgrat behandelt, und welch entgegengesetzteBilder bieten sich uns, dort der französische Kanalgarten, hier der italienische Terrassen-garten ; denn auch schon die Wahl des Geländes zeigt den verschieden gerichteten Stil-einfluß. Und wenn auch alle bisher behandelten Gärten noch fast im Weichbilde der Stadtliegen, so daß das Fehlen des Parks dem Raummangel zugeschrieben werden könnte, sodarf man nur seine Blicke aus Wien herauslenken, um die gleiche Stilrichtung zu emp-finden: In dem Mündungswinkel zwischen March und Donau liegt das Schloß Hof(Abb. 491), das Prinz Eugen im Anfange des Jahrhunderts erwarb, der auch den Gartendort anlegte; später ging es in kaiserlichen Besitz über, und in den Jahren 1758/60 malteBelotti Canaletto im Auftrage der Kaiserin Maria Theresia hier einige seiner prächtigenVeduten. Und diesen Garten, der eine unbegrenzte Ausdehnungsfähigkeit hatte, bindetder gleiche Geist wie die uns bekannten Stadtgärten. Sechs breitere und schmälereTerrassen steigen zum Palast empor, der von drei Seiten von Parterres umgeben ist(Abb. 492). Auf drei Treppen gelangt man von hier in das eigentliche Schmuck-parterre, dessen mit einer Balustrade abgeschlossene Terrasse in drei Ausbuchtungenvorspringt. In der Mitte liegt darunter eine Grotte, die ein schmiedeeisernes Gitterabschließt. Mächtige Freitreppen führen von der nächsten schmalen Terrasse auf einweiteres Parterre, das aber zur Seite dicht bewachsene Lauben von Lattenwerk hat,die von kupferbedeckten Pavillons überragt sind. Die Mitte bezeichnet eine Kaskade,die über eine architektonisch reich gegliederte Futtermauer fällt; eine einfachere Kas-kade stürzt von der fünften zur sechsten Terrasse, die zu beiden Seiten als Irrgänge