242
Belvedere in Wien
13. KAP.
Bau des Palastes, den er sich am Fuße des Hügels durch Fischer von Erlach er-richten ließ, zuvorkam. Auf der andern Seite des Gartens siedelte wenig später die Kai-serin den Nonnenorden der Salesianerinnen an, deren Garten sich auch am Hügelemporzieht (Abb. 484). In allen diesen Gärten haben wir es durchaus mit demTypus der Vorstadtvilla zu tun, die sich selbst eine gewisse Beschränkung in ihrerAusdehnung auferlegen muß. Der Park mußte hier fehlen, die Aussicht, soweitsie von der Höhe genossen wird, hat die türmereiche Stadt zu überblicken. Daserklärt diese städtischen, zu festlicher Pracht entfalteten Anlagen, besonders desBelvedere, wie des Prinzen Besitztum heute genannt wird. Der Garten zerfällt inzwei Hauptteile; der obere enthält ein großes Zierparterre vor dem oberen Schlossemit seinem Brunnen und ein zweites, bedeutend tiefer liegendes, einfacheres Parterre,in das in der Mitte eine prächtige Kaskade herabfällt (Abb. 485), während man anden Seiten auf sanft geneigten (Abb. 487) Treppen herabsteigt. Rings um diesesParterre läuft eine schmale Terrasse in der Höhe des oberen Schloßeingangs; dieserganze Teil ist vollkommen schattenlos, hohe Hecken, mit Hermen geschmückt, lehnenan die Nachbarmauern. In ganzer Breite schließt ihn nach oben das Lustschloß ab,einer der herrlichsten Festbauten, zu dem dieser obere Teil des Gartens als riesigeroffener Festsaal zuzurechnen ist. Der Prinz wohnte hier oben nicht, dies Haus öffnetesich nur dem Festgepränge (Abb. 486). Nach der unteren Straße zu, geschickt ihrezum Gartenterrain schräg zulaufende Linie ausgleichend, hatte der Baumeister desFürsten, Hildebrand, das Wohnhaus der Familie erbaut, auch dieses in der ganzenBreite des Gartens, der sich hier unten einfacher, familiärer gestaltet: auf ein kleinesbrunnengeschmücktes Parterre folgen die Bosketts, vier schattige, heckenumsäumte
Abb. 485
Belvedere,
Wien,
große Kaskade
Nach S.Kleiner