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Eremitage von Waghäusel
13. KAP.
so viele und schöne Gebäude Millionen wert unter unserer Direktion und Anordnung zurjedermännlichen Approbation aufgebaut und hergestellt haben — daß wir in unserenalten Tagen so schlecht und töricht seien, solches lächerliches und verächtliches Wesenangeordnet zu haben. Wir protestieren dahero hiermit nochmals feierlichst und dis-approbieren alles, was desfalls gegen unseren Willen und Anordnung geschehen ist" 29 .Der Garten des Schlosses ist niemals von großer Bedeutung gewesen, den größten Reizder heute bis auf die Mittelallee veränderten Anlage gab ihm die breite Terrasse, die,von einer halbrunden Pergola eingerahmt, seitlich mit Parterrebeeten geschmückt war,die mit wenigen Stufen in das größere Parterre herabführten. Daß im weiteren Park dasindianische Haus und andere Bauten nicht fehlen durften, versteht sich von selbst.Auf der Höhe, abseits dem Schlosse, hat sich noch heute im sogenannten Belvedereein chinesischer Pavillon erhalten, der zu einer kleinen Lustanlage, der sogenanntenWasserburg, gehörte, die das Reservoir für die Wasseranlagen bildete. Bei der eben voll-endeten Restauration hat man dem Ehrenhof die alte, höchst reizvolle Bepflanzungwiedergegeben: das Parterre de broderie, das hier die beiden Brunnen umschließt, istvon glücklicher Wirkung, besonders von dem Balkon des Schlosses aus. Das geschlos-sene Bild dieses Hofes, der nach der Stadt durch Torbau und Pavillons begrenzt wird,war vielleicht noch schöner, als in den halbrunden Gräben, die zwischen Tor undPavillons angelegt sind, noch schimmerndes Wasser floß. Es ist schade, daß man nichtauch im Garten selbst hier einmal den Versuch gemacht hat, den alten Stil wieder-herzustellen 30 .
Bruchsal blieb nicht das einzige Schloß, das Kardinal Damian erbaute und mit Gär-ten schmückte. Durch äußerste persönliche Sparsamkeit hatte er die Mittel des armenBistums stark gehoben. So entstand nicht weit von Bruchsal das heute ganz verwahrlosteKisslau und, wieder einige Stunden weiter, der eigenartige Bau der Eremitage zu Wag-häusel 31 . Unsere deutschen geistlichen Fürsten waren im XVIII. Jahrhundert viel-leicht am meisten geeignet, die von der Renaissance geschaffene, in Spanien besondersgepflegte Vereinigung von weitabgewandter Frömmigkeit und weltlichem Vergnügenmit echtem Geiste zu erfüllen. Ihr äußeres Symbol fand sie auch hier in den Eremitagen.Damian Hugos Persönlichkeit, seine wahre Frömmigkeit, seine Jagd- und Baupassionen,seine Kunstliebe, machten ihn zu einem typischen Vertreter dieser Zeitstimmung. Darumwar auch seine Eremitage in der Nähe eines angesehenen Klosters, umgeben von schö-nen jagdreichen Wäldern, ein begünstigter Ort für ihn, und es war gar ernst gemeint,wenn er 1730 von Rom aus mahnt, die Stuckarbeit im Saale „auf eremitisch" in An-griff zu nehmen. Ein Stück dieses alten Schmuckes, die Ausmalung des Kuppelsaales,zeigt noch, wie dieser eremitische Schmuck verstanden ist 32 (Abb. 476). Das Gemälde hatein doppeltes Interesse für die Gartenkunst: es stellt eine Eremitenhütte dar, die in eineantike Ruine hineingebaut ist, gekoppelte Säulen mit abgebrochenem Gebälk tragen einziemlich defektes Strohdach, das über Holzsparren gedeckt ist. Durch die Bögen er-blicken wir allerlei andere Ruinenstücke, heiliges Gerät hängt an den Tempelsäulen.Einen Gartensaal mit Eremitendecke wollte man darstellen. So ferne scheinbar solcheine Malerei jenen antiken Wandgemälden stehen mag, die die Gärten in den Innen-raum zogen, so gehört doch auch sie in die gleiche Entwicklungsreihe. Es meldetsich hier zuerst das sentimentale Zeitalter; draußen im Parke begann man nicht soviel später Bauten zu errichten, die aus gleichem Geiste entsprungen sind. Die