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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
Entstehung
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Favorite bei Mainz

13. KAP.

Das Haus liegt in der Mitte auf erhöhter quadratischer Terrasse, die dem ebenenGarten eine glückliche Bewegung gibt. Vorne und hinten gehören die reichen, tieferliegenden Parterres mit ihren Brunnen und Kaskaden noch zum mittleren Rechteck,die beiden andern sind rechts und links als Boskett angelegt, von denen eines dasTheater und das andere Brunnen enthält.

Solch eine dreifache Achsenentfaltung zeigt auch der bedeutendste Garten, den FranzLothar geschaffen hat, die Favorite bei Mainz (Abb. 471). Der Grund war hier freilichein ganz anderer als in Seehof. Das Terrain, wiederum ein regelmäßiges Rechteck,steigt vom Rheine, von dem es nur durch eine Fahrstraße getrennt ist, langsam an.Vom Rheine aus entfaltet sich dieser Garten gleichsam in drei nebeneinanderliegendengeschlossenen Bildern. Der erste Prunkgarten steigt von einem Parterre mit prächtiger

Abb. 472

Favorite,

Mainz,

Hauptparterre

Stich vonCorvinus

Wasserkunst, die in einer Thetisgrotte endet, zu einem noch größeren Bassin mit Kas-kaden und Statuen empor. Dieses Hauptparterre ist eingeschlossen von sechs amphithea-tralisch angeordneten Pavillons und dem Hauptbau, der ursprünglich das Lustschloßselbst darstellen sollte, später aber in die Orangerie mit einem Festsaal umgewandeltwurde (Abb. 472). Den zweiten, danebenliegenden Garten überschaut man von einerGrottenterrasse am Rhein; wieder ist die Achse durch Wasserkünste gebildet: ein großesBassin endet in der Neptunskaskade, die zu einer weiteren Ringkaskade aufsteigt undendlich in der Proserpinagrotte endet. Der dritte schließt durch eine Hecke vom Rheinein sogenanntes boulingrin ab, w T ie man jetzt jeden vertieften, selbst mit Bäumen, hierKastanien, bestandenen Platz, der ein Bassin umschließt, nennt. Von hier steigt manzwischen hohen Hecken auf Rasentreppen zu der großen Promenade empor, die ausquerlaufenden Kastanienalleen, mit Wasserkünsten als Abschluß, gebildet wird. DieRoßkastanie war um die Jahrhundertwende wegen ihrer Neuheit der beliebteste Zier-baum. Der Kurfürst nannte diese seine Lieblingsschöpfung gerne ,,le petit Marly".