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Wilhelmshöhe bei Cassel
13. KAP.
sich, wo unter einem Felsblock ein Riesenhaupt einen mehr als 12 m hohen Strahl speit,dazwischen liegt eine Terrasse mit einer Pansgrotte mit allerlei Vexierwassern undWasserkünsten. Der Hauptstrom fällt in der Mitte zur Terrasse des Riesenhauptes undgleitet auf beiden Seiten auf dem Stufengeländer über Grottenwerk nieder. Von hierstürzt er weiter in einer 250 m langen und 117 2 m breiten Kaskade über Stufen herab,dreimal von breiten Absätzen unterbrochen. Zuletzt fällt er in hohem Absturz über dieNeptunsgrotte mit der Statue des Gottes so herab, daß man von der Grotte unter demWasserschleier durchschaut, und endet in einem großen Bassin. Das ist das einzige, wasvon Guernieris Plan zur Ausführung kam, etwa ein Drittel der ganzen Länge. Er beab-sichtigte die Kaskade in zwei weiteren Absätzen bis zu dem Schloß herabzuführen. AmFuße des ersten Absatzes sollte ein großes rundes Wasserparterre mit einem Brunnen-pavillon in der Mitte angelegt werden, der zweite Absatz endet in einem mächtigenTheaterhalbrund auf einer Terrasse, die als ein breites Band den ganzen Park durch-quert und noch mit verschiedenen anderen Brunnenbassins geschmückt ist. Das Schloßam Fuße der dritten Kaskade ist in völlig italienischem Stil gedacht, mit giardini secretinach hinten heraus, während nach vorne aus einer offenen Säulenhalle florentinische,halbrunde Rampentreppen in ein reiches Schmuckparterre herabführen.
Der Park selbst sollte außer durch die Terrassen nur durch regelmäßige Avenuenunterbrochen werden. Aber während der 18 Jahre der Ausführung hatte sichdieser Plan stark verändert und erweitert. Ganz konnte sich der Landgraf dem fran-zösischen Einfluß doch nicht entziehen. Seit dem Jahre 1715 hatte er von einemHarlemer Maler, Johannes van Nichole, acht große Prospekte des Weißensteinesund Karlsberges, wie die Anlagen damals noch hießen, aufnehmen lassen, die diebeabsichtigten Pläne jener Zeit festhalten. Danach sollten unterhalb der Kaskadesich breite Terrassen mit Parterres, Brunnen, kleinen Wasserfällen um ein großes, Ver-sailles nacheiferndes Schloß herumlegen, so daß die italienische Kaskade nur wie eineHintergrundkulisse in den Park eingeschnitten hätte. Aber von allen diesen gigantischenPlänen ist nichts zur Ausführung gekommen. Karls Tod 1730 unterbrach die Arbeit,und als seine Nachfolger wieder seiner Schöpfung ihr Interesse zuwandten, war der eng-lische Einfluß so stark geworden, daß die Kaskadenanlage als für sich abgeschlossenesWerk den sovielfach veränderten Park krönt (Abb. 455). Der Gedanke einer Giganto-machie liegt diesem Werk zugrunde, und wie der Überwinder-Herkules ruhend auf denzerschmetterten, ohnmächtig sich aufbäumenden Feind herabschaut, so schaut dieseganze Anlage nieder auf die vielen kleinlichen Neuschöpfungen, die in dem weiten Parkzerstreut sind, und die einer sentimentalen Zeit in verschiedenen Bauperioden ihre Ent-stehung verdanken. Die Wilhelmshöhe, die ihren Namen erst unter Kurfürst Wilhelm L,dem Erbauer des heutigen Schlosses, erhielt, steht für sich in dieser Zeit, nicht alleindurch Größe und Geschlossenheit der Anlage, sondern als ein Wahrzeichen, wasitalienischer Geist in der Gartengestaltung des nördlichen Deutschlands noch damalshervorbringen konnte.
Als Baumeister herrschen zwar, wie gesagt, die Italiener noch lange, doch überließ mandie Gärten meist schon französischen Künstlern. Auch am Münchener Hof scheint inder zweiten Hälfte des XVII. Jahrhunderts das Kunstleben noch völlig von italienischemGeiste durchdrungen. In den sechziger Jahren wandert ein ganzer Hofstaat italienischerKünstler mit der Prinzessin Adelheid von Savoyen nach München. Die lebenslustige