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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
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Englische Gärten um 1700

13. KAP.

Abb. 445

HamptonCourt,

Eisengitter

von Tijon

Nach Latham

Relief", das zu gleicher Zeit Gelegenheit zu pompöser Gestaltung und Abwechslunggibt, hat in England nur ganz selten Nachfolge gefunden. Man begnügte sich selbst ineinem königlichen Garten mit der schon im Anfange des Jahrhunderts aufgenommenenwilderness", den verschlungenen, in das Massiv gehauenen Wegen, bei denen das Grünmeist durch Lattenwerk an den Seiten zurückgehalten wird. Die geringe Bedeutung derBosketts lag allerdings in der Erkenntnis, daß sie für das feuchte Klima Englandsnicht passen. Man suchte den Schatten lieber in den luftigen langen Alleen.

Die Gärten von Hampton Court gehören heute in England zu den ganz wenigen, dienoch in den Hauptzügen ihre alte Anlage erhalten haben. Zwar sind die Springbrunnenim großen Parterre bis auf einen verschwunden; aus den Buchsbeeten sind große trapez-förmige Rasenflächen geworden, die Avenuen des Parkes sind später als Taxusalleen

durch den Garten weiterge-führt worden; doch ist jetztdas Einförmige dieser Anlagedurch bewunderungswürdi-ge Blumenpflege neu belebt.Der Umfang und die Haupt-iinien des Gartens sind aberim alten Zustande. Und daswill in England fast wieein Wunder scheinen, denndie Geschmacksrevolutiondes XVIII. Jahrhundertshat hier mit ihrem Fieberweit schlimmer gerast alsdie wilden Horden derRevolution in Frankreich.Hülfe nicht manch guteralter Stich, es wäre schwer,sich eine einigermaßen aus-reichende Vorstellung von Englands Gärten um 1700 zu machen. Die Flut der Kupfer-stecherkunst aber brandete damals auch nach England herüber. Es waren allerdingsnur zum sehr geringen Teil englische Künstler, meistens Niederländer, wie dieKupferstecher und Zeichner Knyff und Kip, die auch England auf und ab durchzogen,um alle schönen Ansichten, besonders die bedeutenden Schlösser und Gärten, zu zeich-nen und zu stechen. In einer ganzen Reihe von Werken sind diese Stiche aufbewahrt,meist finden wir die gleichen Bilder in allen Werken wieder. Das bedeutendste, was Größeund Schönheit der Stiche anbetrifft, ist ,,Le NouveauTheätre de la Grande Bretagne"betitelt und 1714 9 erschienen. Diese Bilder beweisen vor allem, daß auch in Englandder großzügige französische Gartenstil gezündet hatte. Zuerst war die Ausdehnung derGärten gegen früher beträchtlicher geworden. Freilich treten die Bosketts, wie schonerwähnt, sehr zurück und damit auch die mannigfaltige Gestaltung der Wasserkünste.Auch der große Kanal ist nicht so allgemein eingedrungen, und wo er erscheint, hat ernicht immer die glücklich abgewogene Lage wie in Hampton Court, sondern liegt meistseitlich neben dem Park, ohne diesen mit dem Garten dadurch zusammenzuschließen.