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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
Entstehung
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191
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13. KAP.

Theorie et Pratique du Jardinage

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II

ER regelmäßige Gartenstil hatte mit dem Zeitalter Ludwigs XIV.eine Höhe erreicht, die nicht mehr überschritten werden konnte.Ein genialer Künstler, ein alles vermögender Herrscherwille, eintechnisches Können, dem nichts unüberwindlich schien, die freu-dige Sicherheit einer Schar bildender Künstler, mit ihren Schöp-fungen an einem Gesamtkunstwerke teilzunehmen, das doch demEinzelnen zur glücklichen Geltung verhalf, alles das hatte eineorganisch gewordene, in ihrem Wesen bodenständige Kunst aufden Gipfel ihres Wachstums gehoben. In Frankreich war der nordische Gartenstil ge-schaffen worden, und er ward nun zum glänzenden Vorbild für ganz Mittel- und Nord-europa. Der Zaubername Versailles bannte alle Blicke; diesem Kunstwerk nahe zukommen, galt als das höchste Ziel des Ehrgeizes. Daß dieses Ziel von keiner derzahlreichen Nachahmungen erreicht werden konnte, lag in den Umständen, die nichtein zweites Mal so glücklich sich zusammenfinden können. Die eminente Bedeutsam-keit dieses Stiles aber liegt in seiner Anpassungsfähigkeit an die Bedingungen der nörd-lichen Natur und in seiner leichten Faßlichkeit und Lehrbarkeit. So sehen wir denn dasseltene Schauspiel, daß, obgleich unmittelbar nach Ludwigs XIV. Tode sich im male-rischen Stile schon der Feind erhob, der dieser ganzen jahrtausendalten Kunstübung denTodesstoß versetzen wollte, noch jahrzehntelang eine Fülle der schönsten regelmäßigenGärten entstanden. In Einzelheiten, besonders in der Zeichnung des Parterres, passendiese sich der wechselnden Mode in den verschiedenen Ländern an; neue schöpferischeGedanken konnten sie nicht mehr hervorbringen, doch fehlen auch wirkliche Zeicheneines Verfalles, so daß besonders in Ländern wie Deutschland, Rußland, Schwedennochmals eine hohe Blüte dieser Kunst entstehen konnte.

Frankreich aber wurde die Lehrmeisterin Europas, nicht nur durch die Anschauungmustergültiger Beispiele; fast von gleicher Wichtigkeit für die leichte Verbreitung wardas Lehrbuch, das zuerst 1709 anonym unter dem TitelTheorie et Pratique du Jardi-nage" erschien. Eine dritte Auflage schrieb es dem Architekten Le Blond zu, der sichauch als Gartenbaumeister ausgezeichnet hatte, andere nennen D'Argenville Dezalliersals Verfasser. Niemals wieder hat ein Buch mit so klarer faßlicher Sicherheit das Weseneines Stiles in Lehrsätze umgegossen. Es rühmt sich, das erste zu sein, das sich ganz derAnlage von Lustgärten gewidmet. Die Nutzgärten werden mit gleichgültiger Nachsichtbeiseite geschoben.In den großen Gärten findet man wohl auch herrliche, sehenswerteNutzgärten, doch liegen diese vom Hause entfernt und sind nicht dazu angetan, seineSchönheit und Pracht zu vermehren" 1 . Nur Boyceau und Mollet will der Verfasser ineinigen Stücken als Vorgänger ansehen. Die große Vielseitigkeit der Gartenkunst, dieallen andern Künsten eine Heimstätte gewährt, zwingt den Gartenkünstler, sich selbstzu einer vielgestaltigen Bildung zu erziehen.Er muß ein wenig Geometer sein, dieArchitektur verstehen und gut zeichnen können, die Ornamentik meistern, die Eigen-heit und Wirkung aller Pflanzen, deren man sich in den schönen Gärten bedient, kennen;er muß leicht erfinden, und zu alledem eine Intelligenz und einen guten natürlichenGeschmack haben, den er sich am Anblick schöner Dinge, durch die Kritik schlechterund durch ein umfassendes Eindringen in die Gartenkunst verschafft hat" 2 . Le Nötrehatte schon eine Generation von Schülern erwachsen lassen, die, zu solcher Vielseitig-keit erzogen, überall seine Kunst mit Leichtigkeit anzuwenden wußten. Le Blond, der