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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
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Saint-Cloud

12, KAP.

Nachfolgerin zog eine gar andere Frau in das Schloß, die pfälzische Prinzessin Liese-lotte, deren derbe Natur und pfälzische Gradheit sich nie recht an die Luft dieses Hofesgewöhnen konnte, so daß sie niemals ihr Heimweh nach dem väterlichen Schloß amNeckar überwunden hat. Aber Saint-Cloud liebte sie, und durch ihre Briefe dringt häufigdas Entzücken über die schönen Gärten; sie wählte auch Saint-Cloud als Witwensitz, wo-hin sie sich immer flüchtete, wenn Versailles und Madame de Maintenon ihr zu viel Argerbereiteten. Le Nötre fand in Saint-Cloud bereits schöne Gärten vor, vor allem den schonunter den Gondi berühmten Wasserfall. Er konnte und wollte auch hier nur vergrößernund Kleinigkeiten zusammenschweißen. Die Kaskade, die in einer Talfalte des sehr un-

Abb. 432

Meudon,

Hauplparterre

NachN. Langlois

regelmäßigen Terrains, abseits der Seine, lag, ließ er an ihrer Stelle, schuf sie aber zu demimposanten dreifachen Wasserfall um, der über Stufen in ein mächtiges halbrundes Bassinsich ergießt (Abb. 434). Doch auch jetzt, noch in dieser Schöpfung, ist der italienische Ein-fluß der Gondis deutlich bemerkbar; in der Anordnung des von der Höhe herabstürzendenWassers waren und blieben die Italiener mit ihrer alten Kunst auch für die Franzosen diesteten Lehrmeister (Abb. 435). Der König und sein Bruder lebten immer etwas in Eifer-sucht auf ihre Bautätigkeit. Gerne wollte Monsieur in Saint-Cloud es seinem Bruder gleich-tun, und lange war diese Kaskade sein Stolz als die in Frankreich unübertroffene. Erst alsin Marly die schöne, oberste Wasserkunst herabrauschte, glaubte der König, auch hier dasSchönste zu besitzen. Als nun der König sich sein erstes kleines Trianon geschaffen hatte,das, wie wir sahen, so unmittelbar zur allgemeinen Nachfolge anreizte, da mußte Mon-sieur auch sofort eine solche tief im Park versteckte Einsiedelei haben: dem reizendenkleinen Pavillon de Breteuil am Ende der unteren Allee verliehen Berceaux, die um die