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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
Entstehung
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Chantilly

12. KAP.

Abb. 427

Chantilly, Blick

vom Kanal

auf Garten

und Schloß

Stich vonI . Rigaud

Trianon wird wohl zu Le Nötres letzten Werken gehört haben, wenn er überhauptnoch mit dem Plane sich beschäftigt hat. Er war alt geworden, sein Fürst hatte ihnhoch geehrt, hatte ihn geadelt und ihm den Orden von Saint-Michel gegeben. Seinekindliche Freude hatte sich der Alte bis in seine letzte Lebenszeit erhalten. Als derKönig ihn kurz vor seinem Tode nach Marly einlud und den alten Herrn in einem derkleinen Rollwagen, wie er selbst sie benutzte, neben sich fahren ließ, rief er plötzlichaus: ,,0 mein armer Vater, wenn du lebtest und du könntest es sehen, wie ein armerGärtner, dein Sohn, im Wagen zur Seite des größten Königs der Welt führe, nichts würdezu meiner Freude fehlen." Einen Monat darauf starb er. Saint-Simon schreibt von ihm:Le Nötre starb 1700, nachdem er 87 Jahre in vollkommener Gesundheit gelebt hatte mitVerstand, Gerechtigkeit und dem guten Geschmack seiner Fähigkeiten, berühmt, weil erals erster die verschiedenen Pläne für die schönen Gärten entworfen hat, die Frankreichschmücken und die den Ruhm der italienischen, die in der Tat nichts dagegen sind, soausgelöscht haben, daß jetzt die berühmtesten Meister dieses Faches aus Italienkommen, um hier zu lernen und zu bewundern. Le Nötre besaß eine Redlichkeit, Zu-verlässigkeit und Aufrichtigkeit, die ihn von jedermann geachtet und geehrt seinließen" 31 . Doch nicht nur jenen Schöpfungen, die Le Nötre von Grund aus der Naturabzugewinnen hatte, und die ein so deutlich sichtbares Spiegelbild der Kultur des grandsiecle sind, hat er seinen Geist aufgedrückt. Es begreift sich, daß der König auch dieschon vorhandenen Gärten seiner alten Schlösser nicht ganz außer acht lassen würde.Und je mehr Le Nötres Ruhm wuchs, um so mehr wurden sein Rat und seine Pläneauch von den Großen des Reiches in Anspruch genommen. Zu den frühesten dieserWerke gehört der Garten von Chantilly, den auch Le Nötre immer zu seinen bestenWerken zählte. Der große Conde hatte seine unfreiwillige Muße, zu der ihn die Un-gnade Ludwigs von 1663 bis 71 zwang, dazu benutzt, um den zersplitterten und immernoch kleinlichen Renaissancegarten bei seinem Schlosse umzugestalten. Le Nötre, dessenPlänen er folgte, fand hier, was ihm in Versailles immer mangelte: Wasser in Fülle,doch in Renaissanceweise im Garten in unendlich viele kleine Kanäle zerteilt. Alle diesekleinen Wasserarme sammelte er nun zu dem breiten Bande des Kanals, mit dem er