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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
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Marly-le-Roi

12. KAP.

Abb. 420

Marly-le-Roi,

Hauptgarten

Stich vonI. A. Continus

mehr, wer sie ist. Hier im Salon sitzen alle vor dem Dauphin und der Herzogin, einigeliegen sogar der Länge nach auf dem Kanapee. Ich habe große Mühe, mich an dieseKonfusion zu gewöhnen: Man macht sich keine Vorstellung, wie das jetzt zugeht; dassieht einem Hofe gar nicht mehr ähnlich" 28 . Es war die größte Ehre, zu den dreitägigenAusflügen nach Marly mitgenommen zu werden, mit bebender Spannung erwartete mandie Liste; das Gefühl der Auszeichnung aber machte die Menschen dort froh, und dieganze Anordnung des Ortes war einem solchen Aufenthalt günstig angepaßt. Marly wardas genaue Gegenteil des blauen blumenduftenden Porzellan-Trianon. Blumen brauchteman hier gar keine, das hätte der Idee einer Eremitage auch nicht entsprochen, selbstdas Parterre, das sich südlich vom Schloß befand, bestand nur aus vertieftem Rasen mitschmalem Blumenrande. Die Anlage des Gartens war im Prinzip der von Versailles nichtunähnlich (Abb. 419): auch hier ein großer Repräsentationsgarten, der sich aber durch-aus um eine große Wasserachse entfaltet und das schmale Waldtal ausfüllt, von dem Saint-Simon gesprochen. Freilich hatte der König, um sich Aussicht zu schaffen, einen Hügel,der sie am Ende des abfallenden Gartens sperrte, einfach abtragen lassen und dazu einRegiment kommandiert. Das Schlößchen liegt auf halber Höhe (Abb. 420), dahinterzieht sich durch den südlich ansteigenden Park eine prächtige, große Kaskade, die inhalbmondförmigem Becken endet, von dem man auf die südliche Schloßterrasse herab-steigt (Abb. 421). Von hier geht man vor dem Hause auf breiten bequemen Treppen vonTerrasse zu Terrasse, die jedesmal in der Mitte von einem spiegelklaren Becken miteiner Reihe schöner Springbrunnen betont wird: Le fönt des quatre gerbes, le grandjet, la nappe und l'abreuvoir, über das hinaus sich noch an Stelle des abgetragenen