Druckschrift 
2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
Entstehung
Seite
152
Einzelbild herunterladen
 

152

Madame de Montespans Marais

12. KAP.

Abb. 407

Versailles,

Boskelt L'Are

de Triomphe

Stich vonI . Rigaltd

Garten einführte; ihr kam die Anregung vielleicht unmittelbar aus Spanien (Abb. 408):Der Baum steht inmitten eines von bronzenem Schilf umkränzten viereckigen Bassins,aus dem Wasserstrahlen sich mit den vom Baum fallenden kreuzen, Schwäne inden Ecken senden ihre Wasserstrahlen in den Teich. Andere Brunnen, wie ein Teichmit einer Fruchtschale, aus der Wasser aufspringt, je zur Seite ein sogenanntesWasserbüfett, ein sehr beliebter Brunnenaufbau, vervollständigen dieses Bild zier-licher Künstelei. Während der vollen Herrschaft der königlichen Maitresse galt diesesBoskett, das Le Marais genannt wurde, für eines der wundervollsten; aber mit desKönigs verändertem Geschmack an Frauen ändert sich auch der Kunstgeschmack,und die Künstlerin mußte es erleben, daß es noch zu ihren Lebzeiten im Jahre 1705geändert wurde. Alle die Bosketts, überhaupt der ganze Garten, bevölkerten sich da-mals mit einem Heere von Statuen, teils Nachbildungen nach der Antike, noch mehraber Originale, denn man kann wohl behaupten, daß vom Jahre 69 an alle bedeu-tenden Bildhauer des Königreichs für Versailles irgendwie beschäftigt waren. Nurein schwaches Bild des einstigen Schmuckes bietet der heutige Garten. Die Statuensind größtenteils verfallen und in der Revolution zerstört worden; einige wenige hatman in die Museen gerettet wie Pugets Milon von Croton und Perseus und Andromeda,heute beide im Louvre; man muß aber beide Kolossalgruppen in ihre Parkumgebung,an die grünen Wände der Königsallee, im Geiste zurückversetzen, um etwas von ihrerWirkung zu spüren.

Eine große Umwandlung erfuhr, gleichzeitig mit Le Vaus Bau, die große Terrasse. LeNötre fand wohl die Anhäufung der Blumenparterres zu groß: zu den Seiten des Schlosses,nur wenig vertieft, lagen die beiden großen Blumenparterres und, unterhalb des altenParterre de broderie der Hauptterrasse, das Parterre hinter dem Bassin der Latona(Plan 6). Das alte Blumenparterre der Hauptterrasse hob sich für ihn nicht genügendheraus, so kam Le Nötre auf den Gedanken, hier einen reichgegliederten Wasserspiegelwirken zu lassen. Er scheint anfangs etwas geschwankt und zuerst ein großes Bassinmit vier kleineren geschaffen, dann aber alles zusammen, Wasser, Blumen und Rasen,zu einem wirklichen Wasserparterre künstlich verflochten zu haben, wie es der Sil-