12. KAP.
Lafontaines Prolog zur ,,Psyche'
MI
keiten dieser Maitage im Jahre 1668, das Souper und der Ball, spielten sich in denverschiedenen Kreuzungspunkten der Alleen, am Bassin der Ceres und der Flora,die von den Künstlern in prächtige, mit Fontänen, Skulpturen und Draperien ge-schmückte grüne Räume umgewandelt wurden, ab, so daß man im Vergleich mitden brunnen- und blumengeschmückten Sälen des Schlosses von diesen Festen sagenkonnte: „wo Paläste Gärten und Gärten Paläste geworden waren". Ein doppeltesFeuerwerk in der Hauptallee beschloß diese Freudentage, deren Kosten man aufnahezu 120000 Livres berechnete. Ein Bild des Malers Patel hat Schloß und Gartenmit dem König, wie er in seinem sechsspännigen Wagen zum Feste einzieht, fest-gehalten.
Kurz darauf, während noch die letzten Reste des Festschmuckes den Gartenzierten, besuchte Lafontaine mit drei Freunden, Racine, Boileau und Moliere, Ver-sailles, um die neuen Anlagen des Königs zu bewundern. Lafontaine hat diesen Be-such zu einer Art von Prolog zu seinem Gedichte „Psyche" benutzt. Ihm verdanken wirdie erste Schilderung des Gartens 17 : die Freunde kommen im Wagen an und machenzuerst Halt bei der Menagerie. Sie gehört vielleicht noch zu den Bauten Ludwigs XIII.und liegt mitten im großen Parke, dort, wo heute der Querarm des großen Kanals ander Trianon entgegengesetzten Seite endet (Abb. 403). Ludwig XIV. aber ließ unauf-hörlich daran bauen: die zentrale Gestalt, die das Haupttierhaus in der Mitte und diekleineren wie Speichen eines Rades darum gruppiert, ein Vorbild für so viele andereParkmenagerien, hat ihr erst Mansart gegeben. Nach der Menagerie regt die Schönheitder Orangerie einen der Freunde zu begeisterten Versen an. Bei Tische unterhaltensie sich über den Herrn aller dieser Schönheit. „Nur Jupiter kann sich unaufhörlichder Weltregierung befleißigen, die Menschen brauchen alle Ausspannung; Alexanderergab sich Ausschweifungen, Augustus spielte, Scipio und Laelius amüsierten sich oft,flache Steine über das Wasser zu werfen, unser Monarch vergnügt sich, Palästebauen zu lassen; das ist eines Königs würdig ... So schöne Gärten und prächtigeGebäude sind ein Ruhm unseres Landes . . ." Das war die Schmeichelei, die Lud-wig am liebsten hörte. Das Ziel der Wanderungen der Freunde aber war die Grotte,die genau geschildert wird mit ihrem Schmuck und ihren Wasserkünsten. Doch alsder Wächter sie auch an der Lust der Wasserscherze teilnehmen lassen will, wehrensie ab, das solle er „für den Bürger und den Deutschen aufsparen". Sie bitten umein trockenes Plätzchen, wo Lafontaine den Freunden das erste Buch seines Ge-dichtes vorliest. Zwischen der Lesung des ersten und zweiten Buches besichtigensie den anderen Garten, besonders von der Rampe über dem Bassin der Latona ent-hüllt sich ihnen der ganze Zauber, den Lafontaine in seinen melodischen Versen be-singt. Wenig später besucht auch das Fräulein von Scudery 18 den Garten, und ihreSchilderung ist bis in das kleinste Detail genau, in ihrer Weise redselig und doch an-schaulich. In der Grotte führt sie uns das ganze Konzert der künstlichen Vogelstimmenund Wasserorgeln vor.
Nach diesem Feste von 1668 aber machte sich endlich der Raummangel des kleinenSchlosses gebieterisch geltend. Noch einmal konnte es selbst Ludwig nicht wagen, seineGäste so schlecht unterzubringen. So entschloß er sich denn, zu bauen, aber die strikteBedingung war die Erhaltung des alten Schlößchens, um das herum nun Le Vau dieerste Schale entwarf, die die Billigung des Monarchen erlangte. Charakteristisch ist aber,