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Anet
9. KAP.
Poitiers erbaute. De l'Orme mußte wohl noch alte Fundamente eines mittelalterlichenSchlosses benutzen, er hat aber hier in Zusammenwirken von Haus und Garten ein archi-tektonisches Bild geschaffen, das sich neben die italienischen gleichzeitigen Meisterwerkestellen darf. Mit völliger Sicherheit weiß er die traditionellen Motive zu gebrauchen undversteht sie zugleich dem Verlangen einer kunstfrohen Zeit und den Bedürfnissen einerkapriziösen Frau anzupassen. Das breite Wasserband des Grabens umgibt Schloß undZiergarten, wenn sie auch von Mauern, Bastionen und Ecktürmen begleitet sind, nurnoch als ein leuchtender Schmuck. Wohl schreitet man über eine Zugbrücke in das Tor-haus, dieses selbst aber ist ein heiterer Pfeilerbau, in dessen Lunette Benvenuto CellinisNymphe von Fontainebleau eingelassen war. Zu beiden Seiten dieses Eingangs liegenzwei Bosketts, deren schattenspendende Baumwipfel den Eintretenden grüßen und ihn,ebenso wie der Hirsch zwischen den Hunden, der das Tor krönt, mahnen, daß er in dasBereich der Namensschwester der Göttin der Jagd trat, mit deren Maske sich die könig-
Abb. 325Anet
Stich vonDu Cerceau
liehe Freundin so gerne schmückte. Neben dem Haupthof mit seiner lichten Säulen-halle lagen rechts und links zwei andere, in deren Mitte je eine Fontäne stand, die einewar Goujons berühmte Diana. Durch das Mittelportal, dem Torhaus gegenüber,dem einzigen Rest des schönen Baues, der sich noch zu uns gerettet hat 36 , trat manin den Garten, der sich vor die ganze Breite der drei Höfe legt. Vor dem Schlosse ge-noß man auf breiter Terrasse einen schönen Überblick und stieg von hier in den Gartenherab, der dreiseitig von einer Rustikagallerie umgeben war, ,,qui donne au jardin unmerveilleux eclat ä lavue", wie Du Cerceau sagt. Zwei Springbrunnen schmückten, aufdie Schloßflügel orientiert, die reich angelegten Beete und gaben dem Garten, der umein bedeutendes breiter als tief war, das nötige Gleichgewicht zweier Zentren. In derMitte der hinteren Seite erweiterte sich der Kanal zu einem halbrunden Bassin, vor demein Gartenhaus sich erhebt, das vielleicht als Bad benutzt wurde. Leider lassen uns fürdiese weiteren Gartenanlagen Du Cerceaus Zeichnungen im Stich, er berichtet aber, daßsich hinter dem Ziergarten zwei Parks befanden, die ganz voneinander getrennt undfür sich eingefriedet waren. In einem lag, außer einer halbrunden Grotte, ein Falken-gehege, Vogelhäuser und vor allem die reizende kleine Orangerie, die Du Cerceau auchgezeichnet hat, und die mit ihrer Rustikafassade, den Eckpavillons, der Fontäne in-
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