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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
Entstehung
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9. KAP.

Fontainebleau

II

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das Gebäude, ohne Verbindung untereinander; dort in Italien gestaltet sich die freieheitere Loggia, die Haus und Garten zu einem Ganzen verbindet, die Gartengruppensind dort, wenn auch noch nicht dem Banne einer einheitlichen Achsenrichtung unter-worfen, so doch untereinander mit einer Fülle verschiedener Treppenanlagen ver-bunden, jede Gruppe ist zusammen komponiert, während in Gaillon der Aufgangvon dem Orte her noch so schlecht ist, daß schon Du Cerceau vorschlägt, ihn dochdurch ordentliche Treppenaufgänge zu verbessern 24 .

Aber Frankreichs Eigenart in seinen Gärten beruht nicht nur in dieser negativen, stär-keren Abgeschlossenheit, nicht in der späteren Zuwendung zu einer Freiheit, die es dochergreifen und bedeutend anwenden sollte, sondern in der fruchtbaren Gestaltung eines an-deren mittelalterlichen Motivs des Schloßbaues, des Wassergrabens. Länger und vor allemkünstlerisch bewußter als in irgendeinem Lande hat man hier an dem Typus des mit brei-tem Laufgraben umgebenen Schlosses festgehalten. Als längst die Wassergräben ihrenSinn als Schutz des Hauses verloren hatten, blieben sie als ein Schmuck der Umgebung,ja, wir werden sehen, wie sogar Neubauten ohne den Zwang eines alten Grundplanes sichdieser Gräben als einer Zierde bedienten, die gerade auch die Gärten stark beeinflussensollte.

Zwei Schlösser, deren Renaissancegestaltung noch der Zeit Franz' I. angehört, ge-ben ein anschauliches Bild der ersten Entwicklungsphase des Wasserschlosses in Bezie-hung zu seinen Gärten: Fontainebleau 24a und Chantilly. Das erste war ein uraltes Jagd-schlößchen, im Herzen des großen Waldes gelegen (Abb. 317). Franz I. erbaute hier dasgroße Schloß, das sich in unregelmäßigem Gesamtplan um eine Reihe von Höfen grup-pierte. Der größte Teil der Gebäude ist von einem breiten Kanal umflossen. Ein sumpfigesWasser in der Nähe des alten Jagdschlößchens ließ der König ausgraben und zu demriesigen Weiher gestalten, der von einer Seite das Schloß begrenzte. Neben diesem, vonAnbeginn bis heute durch seine Karpfen berühmten Weiher führt eine vierreihige Alleevom Schloß zu einem Torpavillon. Auf der anderen Seite dieses schönen, wallartig er-höhten Spazierganges lag links an Stelle des heutigen Parterres der Frucht- und Wiesen-garten; nicht nur in der Mitte von breitem Kanal durchschnitten, sondern auch jedesbaumbestandenepreau" noch von schmalem Kanal umgeben. Auf der andern Seitedes Weihers legte Franz den sogenannten Jardin des pins an, augenscheinlich eine ArtWintergarten, hauptsächlich mit Nadelhölzern bepflanzt, zwischen denen nach Du Cer-ceaus Stich regelmäßige Beete, wahrscheinlich in Buchs ausgelegt, vielleicht mit Nutz-und Küchenkräutern bepflanzt, lagen. Auch hier war nach der Fassade des Schlosses,der Galerie d'Ulysse, ein breiter Kanal gezogen. Am Ende der Galerie vervollständigteeine Grotte, die das Erdgeschoß eines Eckpavillons bildete, dies schöne Gartenbild: zweischwere Rustikabogen, von Giganten flankiert, die lebhaft an Giulio Romanos Werk imPalazzo del Te erinnern, führen in das Innere, das mit Wasservögeln und Seetieren aus-geschmückt und von Brunnen durchrauscht war 25 (Abb. 318). Der kleine vertiefte Hofdavor war als Nymphäum seitlich mit zierlichen Brunnenwänden geschmückt und grünüberrankt. Heute ist diese, auch ziemlich verwahrloste Anlage das einzige, was von demzu einem englischen Park umgewandelten Garten Franz' I. noch vorhanden ist. Dereigentliche Ziergarten aber lag auf der Nordseite des Schlosses, innerhalb des kanal-umflossenen Teiles. In vier Quadrate, mit Holzsäulen umgeben, eingeteilt, in Buchs,Blumen und bunter Erde ausgelegt, barg dies Gärtchen als schönsten Schmuck und