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Madrid, Buen Retiro
8. KAP.
teuerlichen Brautfahrt im Jahre 1624 abgestiegen. In den Gärten trafen sich die beidenFürsten zuerst, um das Inkognito zu wahren, bis der Prinz von Wales am nächstenMorgen mit fürstlichem Gepränge in die Stadt geholt wurde. Ganz in der Nähe besaßdamals der allmächtige Günstling des Königs, der Conde Duque Olivarez, einen kleinenTierpark, Galinera genannt, in dem er besonders seltenes Geflügel zog 35 . Dieser Minister,der als unbeschränkter Günstling die Staatsmaschine sehr zum Unglück Spaniens leitete,mußte seinen Monarchen, der von einem ruhelosen Zerstreuungsbedürfnis umherge-trieben war, zu immer neuen Festen und Überraschungen leiten, damit er kein Augefür die verderbliche äußere Politik seines Landes habe. In dem düsteren Alcazar vonMadrid war wenig Platz, um dem Festestaumel, der im XVII. Jahrhundert nachein-ander die europäischen Höfe ergriff, einen genügenden Hintergrund zu gewähren.So faßte Olivarez den Entschluß, hier im Osten der Stadt an einer dem König ange-nehmen Stelle eine großartige Villa zu erbauen, die königlich das übertraf, was dierömischen Großen sich an der Peripherie ihrer Stadt eben angelegt hatten (Abb. 300).Das Terrain, das er durch Ankauf und Schenkung zusammenbrachte — der Kloster-platz von San Jeronimo wurde hineinbezogen — betrug den Umkreis einer Meile. Miteiner alle verblüffenden Schnelle und Heimlichkeit hat Olivarez hier in wenig mehr alszwei Jahren das Buen Retiro von Madrid geschaffen, das von nun an der eigentlicheSchauplatz für die Geschichte des spanischen Hofes wurde. Der Baumeister desPalastes, der sich nördlich an den alten Klosterpalast anlehnte, der Italiener Creszenzi,hat damit nicht große Ehre einlegen dürfen, denn auf die äußere Architektur mochteOlivarez bei der Schnelligkeit und den ungeheueren Kosten nicht so großen Wertlegen. Besser konnte sein Talent hier Cosimo Lotti entfalten; ihm war die Aufgabe,das Theater zu bauen, die Gärten anzulegen und die Feste; die nun bald mit unerhör-tem Luxus hier gefeiert werden sollten, zu leiten. Der Palast, und mit ihm die eigent-lichen Ziergärten, ist heute vollkommen zugrunde gegangen. Wenn wir aber alteStiche anschauen, so fällt vor allem der Mangel jeder einheitlichen Komposition, auchden italienischen Vorbildern gegenüber, geschweige denn den französischen Gartenan-lagen, deren Entwicklung damals schon an den Toren ihrer letzten Vollkommenheitstand, ins Auge. Es hängt dies mit der noch im XVII. Jahrhundert nicht ganzverlassenen Gewohnheit der spanischen Bauweise zusammen: die Palasträume wer-den um Höfe gruppiert, auf die der größte Wert gelegt wird. Mehr aber noch: auch dieden Fassaden vorgelegten Gärten sind als Hofgärten durch umgebende Mauern fürsich behandelt. Hier in Buen Retiro ist außer den bepflanzten Klosterhöfen des altenSan Jeronimo auch der schöne Jardin del Principe vor den Fenstern der alten WohnungPhilipps IL so behandelt. Er ist wie ein italienisches Gartenparterre des XVI. Jahr-hunderts, in den Führungslinien mit zwei Schalenbrunnen geschmückt, angelegt. Nörd-lich davon liegt das Hauptparterre des Palastes, der Jardin de la Reina (der Nürn-berger Stich gibt eine falsche Anordnung des Parkes) (Abb. 301), der deutlich denEinfluß der italienischen Villen Medici, Ludovisi, Borghese usw. darin zeigt, daß nebendem Parterre ein großer Platz für ritterliche Spiele freigelassen ist. Die Mitte dieses Platzesschmückte seit 1642 die bronzene Reiterstatue Philipps IV., von Pietro Tacca gegossen 363 .Dieses Parterre ist aber wieder, dem spanischen, nicht dem italienischen Empfinden ent-sprechend, mit einer Mauer nach dem Parke zu abgeschlossen, augenscheinlich selbstohne Tor, das in den Park führt (Abb. 302); in den Mauern sind die üblichen Nischen für