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1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
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Frascati, Villa Aldobrandini

7. KAP.

ihres Schmuckes! Ja die Skulptur des Barocks hat sich recht eigentlich mit und in derGartenkunst entwickelt. Das virtuose Können und der Reichtum der Phantasie, dievöllige Gelöstheit der Stellungen, des Ausdrucks, alles das, was in Innenräumen oft über-laden und aufdringlich wirkt im Freien und in Verbindung mit der Vegetation, diemehr und mehr als grüne Hintergrundmasse behandelt wird, ist diese Kunst des male-rischen Effekts weder aufdringlich no h grell, sie braucht die Weiträumigkeit und dieleuchtenden Farben des italienischen Himmels.

Unter den Villen Frascatis ragt die Villa Aldobrandini hervor als unbestritteneFührerin, die das Können der Zeit in höchster Blüte zeigt. Sie ist im Gesamteindruckdie schönste und hat vielen andern als Vorbild gedient (Abb. 241). Sie kann als Typusder villa urbana im antiken Sinne angesehen werden. Der vielvermögende Nepot Cle-mens' VIII., der Kardinal Pietro Aldobrandini, besaß auch in der Stadt am Abhängedes Monte Cavallo einen Garten oder eine Vigne, die heute noch, wenn auch hart vonder wachsenden Stadt bedrängt, besteht. Dieser Garten, an sich ohne große Bedeutung,erwarb damals seinen Ruhm durch die Auffindung der Kopie eines berühmten griechi-schen Gemäldes, der sogenannten Aldobrandinischen Hochzeit. In einem Gewölbe wurdesie entdeckt, der Kardinal ließ sie herausheben und in ein Eßzimmer der Villa übertragen,wo sie durch eine hölzerne Tür geschützt wurde. So sah sie 1625 der spanische Gesandteund Kunstmäzen, der Herzog von Alcalä, und ließ sie für sein Haus in Sevilla, die Casade Püatos, kopieren 170 Der Kardinal stand auf der Höhe seiner Macht, als er imJahre 1598 den Bau einer Villa in Frascati beschloß 171 . Eben war dem Kirchenstaatdas Herzogtum Ferrara als Erbschaft von Lucrezia, der Schwester des letztenlegitimen Herzogs, zugefallen. Der Kardinal sah das Ereignis als einen Sieg despäpstlichen Stuhles an. als ein Friedenspfand, das er der Christenheit gegeben,und glaubte dies nicht besser feiern zu können, als dadurch, daß er einen Teilder ihm zugefallenen Reichtümer dazu verwandte, die prächtige Villa in Frascatizu gründen. Dies verkündet eine lateinische Inschrift über dem Theaterhalbrund.Noch steht das bronzene Bildnis des Kardinals auf dem Kamin des Prachtsaales, der,die Breite des ganzen Gebäudes einnehmend, sich nach beiden Fassaden öffnet: eingedrungener bärtiger Kopf mit einem Ausdruck, der viel Energie und Machtgefühl miteinigem Wohlwollen mischt. Der Kardinal berief Giacomo della Porta, den SchülerMichelangelos, als Baumeister, der hier sein letztes Werk begonnen und bis zu seinemTode 1604 gefördert hat. Das Haus selbst (Abb. 242) gehört nicht zu den größtenFrascatis; einer bedeutenden Breitenausdehnung entspricht nur eine geringe Tiefe.Immerhin sind diese Landvillenhäuser ganz anders stattlich als die Casini in der Stadt,sie hatten ja wochen- und monatelang einen ganzen Hofstaat zu beherbergen. Um aberdas sichtbare Gebäude nicht allzu stark zu überlasten, kam man auf den Gedanken,die großen Prunkterrassen, die sich vor dem auf halber Höhe liegenden Hause nach derStadt zu, sowie auch nach den Seiten des Gebäudes erstreckten, für Souterrainwirt-schaftsräume einzurichten. Die Schornsteine der Küchen, die natürlich dem Hausezunächst liegen mußten, verlegte man an das Ende der Seitenterrassen und behandeltesie als verzierte Türme.

Der Hauptgrundsatz für eine Landvilla scheint damals gewesen zu sein, für das not-wendig Praktische die schöne Kulisse so zu finden, daß es niemals störend sich in dasgroße Bild schönster Prachtentfaltung einreihte. Das große, für das,,Podere", die Nutz-