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1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
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Villa Pia, Vatikan

7. KAP.

Das Kasino selbst ist ganz erhalten: ein wunderbar zierlicher Vorbau mit einer offenenLoggia steht als eine Art Brunnenhaus in einem Bassin, das von Masken gespeist wird;Statuen und Karyatiden schmücken die Fassade (Abb. 193 oben). Dieser Vorbau istmit dem höher gelegenen Hauptbau durch einen ovalen Hof verbunden. Zur Seite führenelegante Treppen zu runden Ruhesitzen, von diesen gelangt man durch kleine Triumph-tore in den Hof, in dessen Mitte ein Puttenbrunnen plätschert, während Ruhebänkeringsumher angebracht sind (Abb. 193 unten). Noch heute hat sich der größte Teil derSchmuckreliefs, die die Fassade des Hauptbaues, Loggia und Triumphbögen, zieren,erhalten, und trotz der gelben Tünche, die auch dies Bauwerk mit einer häßlichenHaut überzieht, sprechen entzückende Grotesken von buntem Mosaik an den Treppen-wangen von der einstigen Schönheit. „Diesem streng symmetrischen Bau ist ein Turmhinten links beigegeben, als hätte es nur noch eines letzten Klanges bedurft, um denEindruck holder Zufälligkeit über das Ganze zu verbreiten" 99 .

Die Villa war gleichsam eingeschnitten in den waldigen Hügel. Die Mauern, die hin-ten dicht an das Haus herantreten und seine ganz unausgearbeitete Hinterseite decken,sollten von dichten grünen Baumwipfeln überragt werden, die ihren Frieden in diestillen Gemächer hereinrauschten. Die Villa ist einzig und allein auf die Vorderansichtberechnet, und nur nach dieser Seite sollte dem Plan des Baumeisters gemäß ein ge-schmücktes Parterre mit ganz regelmäßigen Blumenbeeten sich öffnen. Der halbrundePlatz vor dem Brunnenhaus ist vertieft, einige Stufen führen von hier zu dem Blumen-parterre empor, so daß dieser Platz sich zu einem kühlen, am Nachmittag ganz schatti-gen Nymphäum gestaltete. Gartenhof und Loggia wurden mit den erlesensten Antikengeschmückt. So war dieser Garten nichts als ein reich verzierter Vorplatz vor dem Hause,und dieses doch wieder nur ein Gartenhaus. Selbst ganz offen, in strahlender Heiterkeit,lag es halb versteckt im Waldesdunkel, das von drei Seiten an die Villa herantrat. Wiegeschaffen für eine geistvolle Plauderei in der Abendkühle, in Stunden angeregter Muße,wie sie der liebenswürdige, heitere Papst liebte. Doch auch diesem Kleinod sollte schonder Nachfolger, der fanatisch strenge PiusV., verhängnisvoll werden. Auch diesen Garten,wie den des Belvederehofes, säuberte er zuerst von Statuen und übergab ihn dann derPflege seines Leibarztes, der, den botanischen Neigungen des Papstes entgegenkommend,dort Palmen und ausländische Pflanzen kultivierte, von denen die ersteren, besonders demSinne der Anlage zuwider, die Vorderansicht der Villa stark beeinträchtigen (Abb. 194).

Am Ende des Jahrhunderts muß man alle Gärten, die diesen Hügel bedecken, Bel-vedere genannt haben, wenn nicht bei dem Herzog Friedrich von Württemberg, der1599 den Palast des Papstes sieht, ein Irrtum vorliegt. Er schildert 100 , wie man vomVatikan auf einem langen bedeckten Gange, „in dem vil kurtzweil mit Spazierengehenund Ball spilen gesehen wirdt", nach einem Lustgarten kommt, „welcher gleichwohlnicht gar groß, aber mit herrlichen Antiquitäten (darunter dem Laokoon) über diemass wohl geziert ist. Auss gemeltem Garten kombt man noch in einen anderen Gar-ten, Belvedere genannt, darinnen auch ettliche Lusthäuser, Weyher, schöne frembdeGewächs unter anderen auch ein Dattelbaum und dergleichen, wie auch ein Wäldlendess Sommers zum spazieren und wegen der Vögelsang zur Lust gerichtet ist". Andiesem „Wäldlen", das die ganze Spitze des Hügels einnimmt, hat der wechselndeGeschmack der Päpste unaufhörlich geändert. Prächtige Brunnen und Grottenanlagensind im Laufe des XVII. Jahrhunderts entstanden. Die Entholzung um die Villa und